Attraktive Arbeitgeber im Handwerk: Wie geht das?

 Attraktive Arbeitgeber im Handwerk: Wie geht das?

Alle reden vom Fachkräftemangel – Spüren Sie auch schon was? Die Frage ist, warum manche Firmen genügend Bewerbungen haben und andere nicht? Der demographische Wandel hat Konsequenzen. Sie spüren diesen sicherlich schon bei der Suche neuer Auszubildender und vielleicht auch bei der Stellenbesetzung von Fachkräften. Die Suche ist aufwändiger geworden und Ihr Wunschkandidat ist immer noch nicht dabei. Aber vielleicht passt ja auch eine Kandidatin?

 

Die Situation hat sich in manchen Branchen und Arbeitsfeldern umgedreht: Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen suchen aus, wo sie arbeiten wollen und die Firmen müssen nehmen, wen sie bekommen können. Deshalb ist es wichtig, attraktiv als Arbeitgeber zu sein. Ähnlich wie bei der Brautschau.

Was macht Sie als Arbeitgeber attraktiv? Es reichen nicht nur ein sicherer Arbeitsplatz und ein großzügiges Gehalt, sondern heute sind auch ein wertschätzendes Arbeitsklima und die Möglichkeit, Job und Familienverantwortung selbstverständlich unter einen Hut zu bekommen, entscheidend für die Arbeitgeberwahl. Und zwar nicht nur für junge Frauen und erwerbstätige Mütter. Auch junge Väter wollen zunehmend mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen und erwarten Verständnis dafür beim Arbeitgeber. Zunehmend müssen und wollen Beschäftigte heute auch Pflegeaufgaben für ihre Angehörigen übernehmen.

Attraktiver Arbeitgeber: Wie geht das? Nachfolgend einige Anregungen, wie Sie Ihre Attraktivität als Arbeitgeber erhöhen:

Zeitgemäße Ansprache von jungen Nachwuchskräften:

Auszubildende von heute, die sogenannte Generation Y, haben andere Erwartungen an die Arbeit und denken anders über sich und das Leben, als die Generationen vor ihnen. Sie als Chef oder Chefin müssen darauf, gemeinsam mit den Ausbildern, eine angemessene Antwort finden. Sie sind herausgefordert, Ihre Art der Kommunikation und Führung zu überdenken.

Familienfreundlich und zukunftsfähig im Handwerk

Attraktive Arbeitgeber überdenken starre Arbeitszeitmodelle und finden kreative Lösungen, um Beschäftigten mit Familienverantwortung auch eine Erwerbsarbeit zu ermöglichen, die zu den Betreuungszeiten von Kindergarten und Schule passen. Das können flexible Arbeitszeiten in Teilzeit oder Vollzeit sein, wie sie beispielsweise bei der Sanitär- und Heizungsfirma Dörschler GmbH in Remscheid praktiziert werden. Bei Dörschler arbeiten z.B. Beschäftigte im Bürobereich nach einer Familienzeit Teilzeit zwischen 20 und 30 Stunden von acht bis 14 Uhr oder neun bis 15 Uhr.

Einem alleinerziehenden Vater wurde ermöglicht, sein Schulkind während der Arbeitszeit von der Schule abzuholen und im Büro Hausaufgaben machen zu lassen, während der Vater weiterarbeitete. „Da habe ich auch mit drauf geschaut“, so Frau Dörschler, die selbst als Unternehmerfrau im Handwerk flexibel in Vollzeit arbeitete als ihre zwei Söhne noch nicht erwachsen waren. Bei Dörschler haben auch drei junge Frauen erfolgreich ihre Ausbildung im Sanitär und Heizungsbereich gemacht. „Wir hätten auch eine Teilzeitausbildung  ermöglicht. Das ist dann aber nicht zustande gekommen“, so Frau Dörschler.

Oft ist das Thema Kinderbetreuung ein Thema. Hier können niedrigschwellige Angebote betrieblicher Kinderbetreuung die Arbeitgeber attraktiv machen, z.B. durch Belegplätze in einem benachbarten Kindergarten, die im Bedarfsfall genutzt werden. Oder eine pragmatische Notfallregelung, dass Kinder in den Betrieb mitgebracht werden können, wenn es gar nicht anders geht.

Attraktive Arbeitgeber und alternde Beschäftigte im Handwerk

Wenn immer weniger junge Menschen nachkommen, wird die Gesundheit der älteren und die Erhaltung und Stärkung ihrer Arbeitsfähigkeit immer wichtiger. Betriebliches Gesundheitsmanagement ist ein großes Wort. Dabei braucht es gar nicht so viel. Schon kleine Erleichterungen können eine große Wirkung haben, wenn die Offenheit darüber zu sprechen in der Betriebskultur gelebt wird. Und auch das Thema „Pflege und Beruf“ steht bei den meisten Beschäftigten und ihren Familien mit zunehmendem Alter an. Signalisieren Sie als Arbeitgeber, dass das Thema Pflege kein Tabuthema für Sie ist.
Wenn altgediente Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in die Rente gehen, ist wichtig, dass ihr Wissen im Betrieb bleibt und an die nachrückenden Mitarbeitenden rechtzeitig weitergegeben wird.

Gutes Führen im Handwerk

Auf Dauer ist Ihr Betriebsklima das entscheidende, ob die besten Mitarbeitenden Ihr volles Potential zum Wohle Ihrer Firma einbringen und bleiben oder sich etwas Neues suchen. Ein gutes Betriebsklima motiviert Ihre Fach- und Führungskräfte, braucht dafür aber auch mehr Engagement, als die Ausrichtung der jährlichen Weihnachtsfeier. Auch hier gilt: Ein Meister ist noch nicht vom Himmel gefallen, eine gute Führungskraft auch nicht.

Wer immer das Gleiche tut, wird auch immer dasselbe Ergebnis erhalten. Attraktive Arbeitgeber finden kreative Lösungen, um betriebliche Erfordernisse und die Bedürfnisse ihrer Beschäftigten zu vereinbaren. Wir möchten Sie ermutigen und unterstützen, in andere Richtungen zu denken und auch einmal anders zu handeln.

Image als Arbeitgeber oder Arbeitgebermarketing im Handwerk: Wofür soll das gut sein?

Es geht darum, dass Sie nicht endlos suchen müssen, sondern gefunden werden von neuen Auszubildenden und Mitarbeitenden. Und zwar von denen, die gut zu Ihnen und Ihrer Mannschaft passen. Unserer Erfahrung nach ist vieles in den kleinen und mittleren Unternehmen selbstverständlich. Der Chef oder die Chefin sind nahe dran an den Sorgen und Nöte ihrer Leute. Die meisten Betriebe sind seit vielen Jahren erfolgreich, weil sie gute, mitdenkende Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen haben und diese auch geschätzt werden. Doch manch eine Firma vergisst, diese Seite des attraktiven Arbeitsgebers deutlich herauszustellen, weil es so selbstverständlich ist. Wenn ihre Mitarbeiter gerne bei Ihnen arbeiten und stolz auf Ihre Firma sind ist das auch etwas, das  Sie bei der Suche nach neuen Fachkräften attraktiv macht.

Auf jeden Fall: nutzen Sie die Vielfalt der oben erwähnten Aspekte und verschiedene Kommunikationswege und stellen Sie heraus, was attraktiv ist an den Menschen und für die Menschen Ihrer Firma. Damit Sie nicht suchen müssen, sondern gefunden werden.

Gesellschaftliche Trends, die sich auch auf Handwerksbetriebe auswirken:

  • Arbeitskräftepotenziale sinken durch demografischen Wandel.
  • Arbeitsunfähigkeitstage bedingt durch Burn-Out steigen.
  • Anteil der Alleinerziehenden an allen Eltern auf ca. 20 Prozent gestiegen.
  • Die Altersstrukturen in den Betrieben ändern sich. Anteil der 45 – 64 Jährigen steigt.
  • Paare sind zunehmend beide erwerbstätig und übernehmen beide Familienarbeit
  • Durch Globalisierung verschärfter Wettbewerbsdruck und ausgeweitete Betriebszeiten.

Literaturtipp: Vgl. Familiensinn und Kundennähe – attraktive Arbeitgeber bieten beides. Umsetzungserfahrungen und Praxistipps aus Klein- und Mittelbetrieben. Hrsg. v. Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen.

Dieser Artikel ist in Zusammenarbeit mit Frau Astrid Vornmoor entstanden und in der Zeitschrift „Das bergische Handwerk. Magazin der Kreiswerkerschaft Remscheid“ in der Ausgabe 1/2015 auf Seite 8f. erschienen.