Mittagspause. In die weißen Schüsseln löffeln Claudia, Christoph und Co. eine würzige Kartoffelsuppe. Die Tische wurden auf die Schnelle zusammen geschoben. Von echter Pause kann keine Rede sein. Vielmehr wird weiter gesprochen. Berichtet. Zugehört. Das ist kein Plaudern, kein Bla-Bla. Das ist wieder so ein Aha-Moment: Die Kommunikation geht weiter in diesem Workshop – bei aller Leichtigkeit sehr ernsthaft. Es ist ein Fokus BarCamp (#FCB17), das Lioba Heinzler veranstaltet. Die Inhalte geben die Teilnehmer vor. Und die wollen sich immer weiter austauschen – auch in der Mittagspause am Samstag.

Ankommen, runterkommen, einschwingen

Freitagnachmittag: Das #FCB17 startet. Die Teilnehmer – allesamt Unternehmerinnen und Unternehmer, manche in der Startphase einer Selbständigkeit, einige schon weiter und im Änderungsprozess – trudeln ein. Auf dem Büffet im Coworkit in Solingen stehen Kuchen und Obst. Ein Kaffee oder Tee, das ist ist genau richtig jetzt. Erst einmal ankommen, runterkommen und einschwingen auf dieses Barcamp. Hier gibt es keine Themenvorgaben, keine eingekauften Referenten. „Ihr macht Eure Themen zur Tagesordnung. Wenn Ihr Euch langweilt, seid Ihr selbst schuld“, sagt Lioba Heinzler und schmunzelt. So flexibel die Inhalte sind, so fest ist der Rahmen des #FCB17. Hüterin der Zeit – die setzt den Rahmen – ist Lioba Heinzler

Anbieten und suchen

Das Prinzip ist denkbar einfach: Es ist ein Geben und Nehmen. Die Camp-Teilnehmer sollen nicht nur sagen, welche Themen sie interessieren, wo sie Input erhoffen. So sollen auch eigene Sessions – so heißen die 60-minütgen Einheiten mit einem Mix aus Vortrag, Austausch und Hinterfragen – veranstaltet werden. Der Teilnehmer ist Referent und Klient gleichermaßen. Anbieten und suchen sind gleichwertig.

So viele Themen, so wenig Zeit

Insgesamt zwölf Stunden – inklusive Pausen – stehen an den anderthalb Tagen zur Verfügung. Die Pinnwand für Themen und Session-Plan ist zuerst leer. Doch Barcamp-Wiederholungstäter beruhigen die Novizen: Das Tableau fülle sich sehr schnell. Und bald ist klar: Es gibt so viele Themen, dass die Zeit kaum reichen wird, alle zu bedienen. Und genauso schnell wird klar: Jeder Teilnehmer hat seine Idee ins Camp mitgebracht, ist präpariert, hat aber auch konkrete Vorstellungen, was er von der Veranstaltung mitnehmen möchte.

Der Wunsch, inspiriert zu werden. Die Hoffnung auf Tipps fürs Online-Marketing. Der Wunsch nach Austausch. Der Antrieb, sich im Barcamp zu engagieren, ist unterschiedlich. Diese Vielfalt spiegelt sich in den Sessions wider. Wie mit unterschiedlichen Angeboten eine Kundenreise geschmeidig unternommen werden kann. Wie Storytelling auf Facebook funktioniert. Wie das Büro mit einem Computer-Programm neu und viel übersichtlicher organisiert werden. Wie die Nische für das eigene Talent aussehen kann. Wie man Preise festlegt und aushandelt. Wie der Markt für die Geschäftsidee bewertet wird. Das Spektrum ist breit. Die Anliegen sind konkret.

Und vieles ist sehr konkret im Barcamp

Mal gibt es eine beinah philosophische Einordnung, die zum Nachdenken anregt. Meist sind es aber ganz konkrete Vorschläge, die die Unternehmer direkt aufnehmen und im Kopf gleich in ihr Konzept einbauen und auf Machbarkeit checken. Das alles geschieht auf Augenhöhe; ein ganz wesentliches Merkmal dieses Barcamps. „Deswegen funktioniert diese Art von Workshop auch so gut“, weiß Lioba Heinzler. Hier wird niemand belehrt. Hier wird lösungs- und zielorientiert gesprochen und argumentiert – egal ob in Zweier-Talk, in einem Vierer-Gespräch oder in der großen Runde. Das alles schlägt sich am Ende in der Bewertung nieder.

Neue Impulse – damit es gut und besser weitergeht

„Viel gelernt und viel mitgenommen“, hat eine Teilnehmerin nach den anderthalb Tagen im Barcamp. Für die kommenden Tage notiert sie sich „klare To Dos“. „Neue Impulse für meine Arbeit und auch Dankbarkeit“, nimmt eine Beraterin mit. Eine Unternehmerin schwärmt vom „geballten Fachwissen“. Zwei Teilnehmerinnen sehen sich ermutigt, „weil mir nun klar ist, dass es einen Markt für mein Angebot gibt“. Und das alles – fügt ein Social Media-Experte hinzu – „passiert in offener und herzlicher Atmosphäre“. Kommunikation pur – das ist ein Geheimnis dieser Workshop-Form. Lioba Heinzler quittiert es mit einem Lächeln, dass alle in ihrem #FBC17 einen „Schatz“ haben entdecken und für sich sichern können. Oder wie es eine Trainerin zusammenfasst: „Ich bin beeindruckt, mit welcher Selbstverständlichkeit hier Wissen geteilt wird. Das ist so inspirierend.“ Und damit es gut weitergeht auch im #FBC18…

Foto: Copyright Christoph Ziegler/Kumulus