Herausforderungen an Führung und Kommunikation.

Die Generation Y: Heutige Auszubildende sind anders.

Wie bin ich attraktiv als Arbeitgeber für Auszubildende und junge Bewerberinnen und Bewerber? Chefs und Chefinnen sagen, dass junge Auszubildende viel fragen, sich nicht mehr so leicht anpassen, mitreden, sich distanz- und respektlos gegenüber den Älteren verhalten. Weiterhin ist die sogenannte Generation Y viel mit dem Smartphone beschäftigt, traut sich zu widersprechen und bringt ungefragt Ideen ein. Was das für die Arbeitswelt von morgen bedeutet, erfahren Sie in diesem Artikel.

Die Jugendlichen von heute, die eine Ausbildungsstelle suchen, sind in einem anderen Wertesystem groß geworden als die Babyboomer der 1960er Jahre, die heute in verantwortlichen Positionen die Arbeitswelt gestalten.

Jugendliche der 1990er sind im materiellen Überfluss und in einer Welt der Technik und Medien groß geworden. Sie sind die sogenannte Generation Y (Gen Y). Im Englischen ausgesprochen ist es ein Wortspiel: Y wie «why?» wie «warum?». Diese Generation fragt viel und akzeptiert Weniges als selbstverständlich oder gegeben.

Neue Herausforderungen an Führung und Kommunikation im Arbeitsalltag

20150619_flickr_dannymolyneux_eachgenerationhasitsownbooksJunge Erwachsene haben andere Vorstellungen vom Arbeiten, z.B. wollen sie zeitlich und örtlich flexibler arbeiten aber auch schneller eigenverantwortlich, als die Generationen der Menschen, die in den Betrieben mit den  Jugendlichen zusammentreffen oder sie ausbilden. Das hat Auswirkungen auf die Art der Kommunikation und Führung im Betrieb und stellt eine Herausforderung für die Handwerksbetriebe aller Branchen dar.

So z.B. bei der WEGE GmbH in Remscheid. Frau Susanne Hessenbruch, Geschäftsführerin des Reinigungsunternehmens, meint dazu, dass junge Mitarbeiter von älteren lernen könnten und umgekehrt: “Manchmal sind die Älteren auch aufgrund ihrer Erfahrungen festgefahren. Da sind es die Jungen, die ermutigen, mal was Neues auszuprobieren. Neue Arbeitsmaterialien brauchen auch neue Arbeitstechniken in der Anwendung. Das bringen die jungen Mitarbeiter den älteren bei. Bei uns ist nicht Erfahrung und «So war es immer» wichtiger oder unwichtiger als «Es gibt was Neues». Beides ist gleich wichtig.”

Hier wird deutlich, dass sich gute Führung durch eine gleichberechtigte Wertschätzung der Arbeitsweisen junger und älterer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auszeichnet.

Der Wert „Familie“ ist auch bei der jüngeren Generation entscheidend

So unterschiedlich die Vorstellungen und Verhaltensweisen von jüngeren und älteren Generationen häufig sind, so wichtig ist doch für beide Generationen eine Lebensplanung mit Familie: Die Idee, einen Beruf und Familie zu haben, hat damit Bestand. Die überwiegende Mehrheit der jungen Erwachsenen plant, Kinder und eine Familie zu haben und verbindet dies mit Vorstellungen vom glücklichen Leben, so im aktuellen Magazin «Impulse» des Deutschen Jugendinstituts.

Männliche und weibliche Fachkräfte stellen in Bewerbungsgesprächen die Frage nach Möglichkeiten flexibler Vollzeit- und Teilzeitstellen und finden familienfreundliche Arbeitgeber attraktiv.

Für viele jungen Frauen, die eine Ausbildungsstelle suchen, ist entscheidend für die Berufswahl, ob diese auch mit ihren Vorstellungen von Familie und mit ihrer Lebenssituation zusammenpassen.

Für junge Frauen, wie Sandra Müller, die früh Mutter geworden ist, war für ihr weiteres Leben entscheidend, dass sie bei Markus Wunsch eine Teilzeitausbildung als Schornsteinfegerin absolvieren konnte. Der Diplomingenieur für Sicherheitstechnik und bevollmächtigte Bezirksschornsteinfeger in Wuppertal wollte der jungen Frau auch mit Kind eine Ausbildung ermöglichen und unterstrich, dass die junge Frau sehr zielstrebig ihre Ausbildung mit bestandener Gesellenprüfung absolviert habe und jetzt in Vollzeit arbeite. “Verbindlichkeit für beide Seiten entscheidend gewesen”, so Markus Wunsch. Die jetzt 28jährige Schornsteinfegerin unterstreicht, dass ihr der Beruf, der Technik und Beratung für Kunden verbindet “immer noch sehr viel Spaß macht”.

Vor Jahren war das Motto: Bewerber, die nicht passen, kommen nicht zum Zuge oder werden passend gemacht. Das war möglich in einer homogeneren Gesellschaft mit einer ausreichenden Anzahl an Bewerbern. In einer Gesellschaft mit veränderten Vorstellungen von gleichberechtigter Partnerschaft, einer größeren Vielfalt von Familienmodellen und gestiegenen materiellen Ansprüchen, die zwei Einkommen verlangen, geht das so nicht mehr.

Was heißt das nun konkret für einen Attraktiven Arbeitgeber im Handwerk?

Beim Thema Generation Y gilt es, zwei Zielgruppen in Ihrer Firma im Blick zu behalten: die zukünftigen Auszubildenden und die schon im Betrieb tätigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Es gilt zu prüfen, wie die Anforderungen des Betriebs und die individuellen Vorstellungen und familiären Bedürfnisse der jungen Mitarbeitenden und Bewerbenden aufeinander abgestimmt werden können. Dabei gibt es viele betriebliche und individuelle Handlungsspielräume, die noch unerkannt und ungenutzt sind.

Für Sie als Chef und Chefin besteht die Herausforderung, beiden Generationen in wertschätzenden Kontakt zu bringen und Verständnisbrücken zu schlagen. Für Ihren Führungsstil bedeutet es, dass Sie noch flexibler, individueller und situativer führen müssen: wo der eine klare Vorgabe braucht, ist es beim anderen ein großzügiger Rahmen, in dem der Arbeit gestalten kann. Entscheidend ist, dass jeweils am Ende das Ergebnis stimmt.

Um diese beiden Welten zu verbinden, helfen positive Erfahrungen mit der Weltanschauung der anderen. Es geht darum, gegenseitig zu verstehen, dass bei gleicher Aufgabenstellung die Herangehensweise eine andere ist. Und das erst mal ohne Bewertung des Lösungsweges. Entscheidend ist, was am Ende rauskommt. Gerade in der Unterschiedlichkeit liegen Reibungspunkte deren Gestaltung zu neuen, anderen, kreativen Lösungen führen, um die Zukunft Ihrer Firma zu gestalten. Und Respekt macht sich für typischen Vertreter der Gen Y weniger an Position und Alter der Kollegen fest, sondern mehr an der Kompetenz, der Persönlichkeit und Kooperationsfähigkeit.

Sie können jetzt sagen: Was soll der Aufwand? Nun, es geht um nicht mehr als um die Zukunft Ihrer Firma.

Gesellschaftliche Trends, die sich auch auf Handwerksbetriebe auswirken:

Generation Y – Begriff aus der Soziologie für die Jahrgänge, die in den 1990er Jahren geboren sind. Besonderheiten:

  • Deutlich weniger Kinder als z. B. während der Baby-Boomer-Jahrgänge.
  • Veränderte Vorstellung von Eltern-Kind-Beziehung sowie Nähe und Distanz zu erwachsenen Respektspersonen. Kooperationsfähigkeit ist ein hohes Gut.
  • Konsequenz: Hierarchien haben wenig Bedeutung, dafür natürliche Autorität, das heißt Kompetenz und vertrauensvolle Führungspersönlichkeit passen zusammen.
  • In ihrer Welt gab es schon immer Mobiltelefone und Computer. Sie sind digitale Muttersprachler («Digital Natives»).
  • Lieben das Ausprobieren und Experimentieren: Gebrauchsanleitungen braucht diese Generation nicht, sie lösen PC- Fragen durch intuitive Benutzeroberflächen oder Probleme durch YouTube-Videos oder Google.
  • Erwerbsarbeit und Familie gehören beide in die Vorstellung vom glücklichen Leben.
  • Gleichberechtigte Partnerschaft ist zunehmend prägend für die Vorstellungen, Beruf und Familie zu vereinbaren.
  • Junge Väter wollen auch Familienarbeit übernehmen und brauchen Arbeitgeber, die dies unterstützen.
  • Alleinerziehende brauchen die Möglichkeit, durch Teilzeitausbildungen Familienverantwortung und eine Ausbildung zu vereinbaren.

Dieser Artikel ist in Zusammenarbeit mit Frau Astrid Vornmoor entstanden und in der Zeitschrift «Das bergische Handwerk. Magazin der Kreiswerkerschaft Remscheid» in der Ausgabe 2/2015 auf Seite 18f. erschienen.

(Bildquelle: «Each generation has its own books» by Danny Molyneux via flickr by CC-by ND 2.0, no changes – keine Bildbearbeitung)