Mit einem authentischen Employer Branding positionieren Sie sich als attraktiver Arbeitgeber.

Bei vielen Firmen, die ich zur Fragen der Zusammenarbeit und Führung begleite, denke ich, dass hier auch gerne arbeite würde: überzeugendes Produkt oder Dienstleistung, klasse Leute, nette Atmosphäre. Und dann erzählt mir der Chef, dass es immer schwieriger wird, qualifizierte Fachkräfte zu finden. Das, was ich als Externe von den Stärken der Firma sehen kann, ist von außen für potentielle Arbeitssuchende jedoch nicht immer erkennbar. Wie halten Sie es mit der Platzierung Ihrer Arbeitgebermarke – mit Ihrem Employer Branding?

Der Fachkräftemarkt verändert sich

Der demografische Wandel zeigt erste Auswirkungen: Mit den starken Babyboomer-Jahrgängen, die nach und nach in Rente gehen, können die jüngeren zahlenmäßig nicht mithalten. Wenn wir wie bisher weitermachen, werden die Firmen schon in fünf Jahren viel Arbeit haben, aber keine Köpfe und Hände, die mitdenken und anpacken.

Die Bedingungen drehen sich komplett: Konnten noch vor wenigen Jahren die Arbeitgeber aussuchen, wählen nun die Arbeitnehmer. Wer passiv wartet, wird verlieren beim Werben um kompetente Mitarbeiter. Gerade die Guten sind schnell wieder weg. Dazu kommt, dass jüngere Mitarbeiter andere Prioritäten in ihrem Leben setzen und andere Vorstellungen von respektvollem Umgang haben, als die Generationen davor. Geld verdienen ist es nicht mehr das einzig Wichtige. Die weichen Faktoren, wie Vereinbarkeit von Familie, Beruf und Freizeit, werden immer entscheidender.

Was haben Sie zu bieten?

flickr_floze_amethyst-clusterJede Firma, egal wie groß oder klein, hat eine individuelle Ausprägung, ähnlich wie Menschen sich durch ihre Persönlichkeit unterscheiden. Und was für jede Person gilt, hat auch für Firmen Bestand: Jede Stärke ist eine Schwäche, und wenn ich Schatten sehe, muss irgendwo Licht sein. So gilt es, die kostbaren Perlen und Edelsteine der Firma zu finden, sie zu polieren und zu schleifen, so dass sie auf den ersten Blick wahrgenommen werden können. Und so “funktioniert” Employer Branding.

Es gibt in jeder Firma Attraktives, was als selbstverständlich wahrgenommen wird. Solche zu bergenden Schätze können sein:

  • Ein unkompliziertes Betriebsklima, in dem der einzelne sein Potenzial leben kann.
  • Ein verschworener Teamgeist, der sich auch unmöglichen Aufgaben stellt.
  • Eine hohe Eigenverantwortlichkeit des einzelnen Mitarbeiters durch außergewöhnlichen Vertrauensvorschuss des Chefs.
  • Wertschätzendes Kommunizieren auf Augenhöhe, das die Arbeitszufriedenheit wesentlich erhöht.
  • Kurze Wege zum Chef und individuelle Lösungen im familiären Notfall.

Ich meine damit nicht die kleine, normale Lösung. Es geht hier immer um das Außergewöhnliche, das Besondere. Es geht um das Merkmal, womit sich Ihre Firma von den Mitbewerbern abhebt.

Übrigens: Schönfärberei ist keine Lösung. Auch hier gilt: Nur versprechen, was Sie auch halten können. Vorsicht vor Beschönigen oder gar Lügen: Das wird schnell entdeckt und führt zu Enttäuschungen. Vertrauensverlust zerstört die Grundlage Ihres Geschäfts.

Nach draußen zeigen

Nun geht es darum, dass Sie Ihre wirkliche Stärke transparent machen. Um als stimmig und authentisch wahrgenommen zu werden, muss der Außenauftritt zu den inneren Stärken passen. Einige Beispiele:

  • Das gilt für alle gedruckten Dinge, genauso wie für digitale Botschaften: Transportieren Angebotsbriefe, Flyer, E-Mails und Homepage Ihr Selbstverständnis? Wenn Sie beispielsweise darauf stolz sind, dass Ihnen eine respektvoller Umgangston wichtig ist: Wird das in allen Botschaften deutlich?
  • Viele Webseiten von Technikfirmen bilden genau das ab: Technik und kalte Produkte. Wo finde ich Menschen, Gesichter und Namen? Eine unkomplizierte Variante ist, die Homepage mit Leben zu füllen, persönliche Aussagen der Mitarbeiter als Videobotschaft nutzen. Aber bitte professionell erstellen, damit die Statements auch das vermitteln, was Ihnen für Ihr Unternehmen wichtig ist.
  • Wenn Ihre Firma ein lebendiges Betriebsklima ausmacht, dann transportieren Sie das zum Beispiel über Facebook, das in der Regel quirliger ist als Ihre Homepage. Natürlich braucht es auch dafür eine klare Strategie, wann und was veröffentlicht wird.
  • Wenn Sie sagen, dass Work-Life-Balance wichtig bei Ihnen ist, dann veranstalten Sie Väteraktionen, um deutlich zu machen, dass das Privatleben Ihrer männlichen Mitarbeiter zur Firma gehört. Damit erhöht sich die Chance, dass sich jüngere Männer bei Ihnen bewerben.
  • Und zum guten Schluss: denke Sie daran, dass Ihre Mitarbeiter die wichtigsten Unternehmensbotschafter sind. Ihr Selbstverständnis und Auftreten beim Kunden, bei der Messe, am Telefon bleiben hängen. Den Unterschied macht in erster Linie, wie sie auftreten und sprechen, weniger das, was sie sagen.

Wie Sie sehen: Sie können aktiv viel für Ihre Arbeitgebermarke und damit für das sogenannte Employer Branding tun und diese gestalten. Doch um Ihre besonderen Pluspunkte zu zeigen, reicht es nicht, das Thema kurz zu bedenken. Sondern es ist entscheidend, diese Stärken herauszuschälen, zu verdeutlichen und vor allem zu leben. Denn nur, was man am Markt auch wahrnehmen kann, gestaltet Ihr Image als attraktives Unternehmen. Und das gilt im Positiven — wie auch Negativen.

Herzliche Grüße aus Wuppertal,
Ihre Lioba Heinzler

(Bildquelle: «Amethyst Cluster» by FloZe. via flickr (CC BY-SA 2.0) – no changes made.)