Für mich fehlen fünf …

Einer der drei entscheidenden Schritte für langfristigen Erfolg ist das TUN. Ich kann eine umfassende Vision entwickeln und die tollsten Ziele setzen: Wenn ich nicht ins Handeln komme, passiert letztlich nichts. Und auch beim dritten Schritt meines Fokusprogramms, der Auswertung und Reflexion, ist mein Frust schon vorprogrammiert, weil das, was ich mir vorgenommen habe, nicht real wurde.

Auch wenn das Thema „Handeln und Umsetzen“ auf den ersten Blick ganz einfach scheint, gibt es doch viele Klippen und Hindernisse. Die Fragen sind:

  • Was ist das wichtigste, was es zu tun gilt?
  • Wie gehe ich es sinnvoll an?
  • Stimmen die äußeren Faktoren, wie: Kann ich ungestört arbeiten? Wie schützte ich mich vor Unterbrechungen?
  • Plötzliche Vorbehalte: Kann ich das wirklich so machen? Wie kommt das bei meinen Kunden an?
  • Innere Widerstände wie: Ich habe keine Energie und keine Lust dazu. Oder Kopfkino: Wenn ich das mache, dann passiert sicherlich was ganz Schlimmes …
  • Oder das ganz normale, ungeplante Leben schlägt zu: eine kaputte Heizung, ein kranker Hund, ein spinnender PC.

Und Sie und ich kennen die alte Zeitmanagement-Regel, dass nur 60% der Zeit zu verplanen sind, um sich nicht ständig selbst unter Strom zu setzen. Und wenn ich meinen Terminkalender und meine Aufgabenliste mir ansehe, habe ich täglich diese Regel „vergessen“, wie so viele andere auch. Und trotzdem ist es sinnvoll, sich diese „alten“ Regeln immer wieder mal anzusehen und nach und nach, die eine oder andere sinnvolle in den Tagesablauf als Gewohnheit zu integrieren.

Denn unser Leben ist letztlich das Resultat unserer Gewohnheiten.

Gewohnheiten sind selbstverständliche Tätigkeiten, die wir tun, ohne täglich immer wieder mit uns selbst darüber zu diskutieren, ob wir es machen oder nicht. Am besten machen Sie eine Bestandsaufnahme Ihrer Gewohnheiten: der täglichen, wöchentlichen, monatlichen und jährlichen. Seien Sie dabei wertschätzend mit sich, denn diese Routinen haben dahin gebracht, wo Sie heute sind. Vielleicht gibt es die eine oder andere, die mit 20 Jahren kein Problem war (zum Beispiel die Tafel Schokolade am Abend), aber nun mit 40 oder 50 Jahren „ungewünschte“ Nebenerscheinungen hat.

Hier gilt: Was Sie sich angewöhnt haben, lässt sich auch wieder abgewöhnen… Vielleicht nicht von heute auf morgen, doch mit der richtigen Strategie in den nächsten Wochen.

Gewohnheit, Routine, Rhythmus

Sicherlich haben Sie auch Gewohnheiten, die hilfreich und gut sind. Viele haben auch Routinen, die ihnen helfen, in einem guten Rhythmus zu leben: feste Essenzeiten mit der Familie, die wöchentliche Sportrunde mit Freunden, ein immer gleicher Ablauf in den Tag zu starten oder abzuschließen. Das ist prima. Wenn Sie möchten, können Sie genau diese Gewohnheiten um eine weitere – für Sie sinnvolle – erweitern, also eine Gewohnheitskette entwickeln.

Sie können zum Beispiel zehn Minuten, bevor Sie den Schreibtisch verlassen, Ihre Aufgabenliste für heute abschließen und den morgigen Tag kurz planen. Oder bevor Sie sich das Glas Rotwein eingießen, Ihre Gedanken für das Danke-Tagebuch festhalten. Oder am Morgen die Laufrunde vor und nach dem obligatorischen ersten Kaffee oder Tee festsetzen. Wichtig ist, dass Sie immer nur eine Gewohnheit einüben und die zweite erst dazu nehmen, wenn die erste ganz selbstverständlich ist. Das heißt, dass Sie mit sich nicht mehr diskutieren, ob Sie es jetzt oder später oder morgen tun.

Entscheiden Sie!

Entscheidungen zu fällen, kostet Energie. Sie wägen innerlich das Für und Wider ab und kommen dann zu einem Resultat. Gewohnheiten haben den großen Vorteil, dass Sie das Resultat haben, ohne die energieraubende Diskussion mit sich selbst.

Erfolg braucht weitere fünf Buchstaben: PAUSE

flickr_lain-G_Pause

Ja, das war zu Zeiten von Goethe und auch vor 100 Jahren noch anders: Das Leben hatte einen anderen Rhythmus. Es gab im Tagesablauf selbstverständlichen Leerlauf, weil „mal eben schnell“ keine Option war. Das Schreiben ging von Hand, Entfernungen wurden zu Fuß oder in Fahrzeugen mit gemächlichem Tempo zurückgelegt. Es gab keine Ablenkungen in Konserven zum Mitnehmen, wie es die Elektronik uns heute ermöglicht. Das heißt, dass der Kopf und das Gemüt auch immer wieder Zeit hatten, den Gedanken nach zu träumen und die Eindrücke zu verarbeiten. Die Bedeutung, Spannung und Entspannung im Leben bewusst zu gestalten, hat in den letzten Jahren immens zugenommen. Wenn wir nicht bewusst dafür sorgen, dass wir AUS-Zeiten im Alltag haben: täglich und wöchentlich und natürlich auch jährlich mit Urlaubpausen, werden wir auf Dauer krank.

Bewusste Inseln

Die Frage ist nun, welche Gewohnheiten Sie in Ihrem täglichen Alltag verankert haben, dass Sie immer wieder zur Ruhe kommen. Wenn ich den Tag durchackere, lebe ich nicht mehr, sondern funktioniere nur noch. Ich spüre mich und das Leben nicht mehr, es ist für mich eine Form von Bewusstlosigkeit. So baue ich jeden Tag immer wieder, spätestens nach 90 Minuten, kleine Inseln ein, in denen ich vom funktionierenden, ratternden Kopf in Distanz gehe. Ich mache mir meinen Atem bewusst, schüttle meinen Körper einmal durch, lass den Blick in die Ferne schweifen oder suche mir einen schönen Anblick und koche mir einen Tee.

Diese Zeiten des bewussten Abstands zum Tagesgeschäft und zu den vielen Gedankenstücken im Kopf braucht es auch am Abend und am Wochenende. Wie sehen Ihre Gewohnheiten aus? Wann gönnen Sie Ihr Kopf Ruhe?

Beste Grüße aus dem Technologiezentrum W-tec in Wuppertal

Ihre Lioba Heinzler
• Supervisorin DGSv
• Coach für Veränderungsprozesse

(Bildquelle: «Pause» by @lain G via flickr, CC BY-SA 2.0 | no changes – keine Änderungen)