Es ist täglich eine Herausforderung, den unterschiedlichen Menschen in einem Team gerecht zu werden. Und gleichermaßen soll den Anforderungen des Alltags entsprochen werden. Das wissen Führungskräfte. Ich habe zwei Herangehensweisen in der Teamführung beobachtet. Diese hängen von der Persönlichkeit der Führungskraft ab. Und auch die Unternehmenskultur und Branche spielen eine entscheidende Rolle.

Führen durch Kontakt und Beziehung zu den Mitarbeitern

Teamführung durch den Kontakt und eine Beziehung zu den Mitarbeitern ist – eigentlich – eine gute Sache. Zuhören. Miteinander sprechen. Kontakt zu jedem halten. Das ist eine starke Vertrauensbasis.

Tragfähige Beziehungen heißt, Du kannst Dich auf Deine Leute verlassen.

Da ein Team aber eben aus mehreren Menschen besteht, ist die Führungsvariante aufwändig. Das kostet Zeit und kann zu langen Diskussionen führen.  Es besteht die Gefahr, dass Konflikte im Team begünstigt werden. Denn: Jeder und jede ist sich der Unterstützung der eigenen Position durch die Leitung sicher.

Aber Achtung:
Wenn der Chef eher Freund, die Chefin eher Freundin sind, dann verschwimmen die Rollen und die Leistung im Team ist „suboptimal“.

Managen durch verbindliche Abläufe, Regeln und Strukturen

Auch dieser Ansatz von Teamführung hat viele gute Aspekte. Team und Abteilung haben Klarheit, was gilt und wie Dinge zu handhaben sind. Das mindert Abstimmungsbedarf, verhindert wiederkehrende Diskussionen.

Regeln und Strukturen entstressen!

Doch auch hier ist Vertrauen nötig. Fehlt eine solche Beziehung zur Chefin oder zum Chef, kann es in anspruchsvollen Arbeitsfeldern für die Mitarbeiter anstrengend werden. Denn: Vieles ist oftmals nicht eindeutig weiß oder schwarz. Eine emotionale Verunsicherung kann eintreten. Das kann zur Folge haben, dass Themen oder Fehler nicht kommuniziert werden. Oder: Ideen für eine innovative Lösung werden nicht benannt. Das kann fatale Folgen haben.

Aber Achtung:
Wenn der Chef, die Chefin eher distanzierte Dienstvorgesetzte sind, dann gehen Begeisterung und Engagement verloren. Es fehlen ihnen die leisen Zwischentöne und Überlegungen, die Du für tragfähige Lösungen in Deinem Team brauchst.

Teamführung ist mehr als als Management und Verwaltung. Und Leitung nur über Beziehung und Vertrauen ist anstrengend. Das müssen die Führungskräfte berücksichtigen.

Fähigkeiten, die Teamführung heute braucht

Das Portfolio dessen, was ein Chef oder eine Chefin heute für Teamführung braucht, kann in drei Bereiche zusammengefasst werden.

Persönliche, innere Klarheit und Souveränität

  • Rollenklarheit
    Um mit den verschiedenen Anforderungen umgehen zu können; Gestaltung von Macht und Umgang mit Ohnmacht. Wer sind Ihre Kollegen? Die Mitglieder des Teams auf jeden Fall nicht.
  • Werteklarheit
    Die eigenen inneren Werte klar haben und in Priorität bringen. Das gleiche gilt für die eigenen Antreiber, Motive, Überzeugungen, Vorstellungen und Einstellungen.
  • Innere Autonomie
    Eine Unbestechlichkeit, das zu tun, was richtig und wichtig ist, unabhängig vom Beziehungsgeflecht und den Konsequenzen.

Beziehungskompetenz

  • Vertrauensfähigkeit und Gelassenheit
  • Kooperationsfähigkeit
  • Spannungs- und Konfliktfähigkeit

Strukturkompetenz

  • Klarheit über notwendige Regeln, die „entstressen“ und Konsequenzen bei Nicht-Einhaltung
  • Ernsthafte, unaufgeregte Schnelligkeit und Konsequenz
  • Kraftvolle Ziele aushandeln und formulieren
  • Klar und sauber Delegieren können

Fünf Tipps für eine stressfreie Teamführung

Es ist wie in der Partnerschaft im privaten Bereich: Unternehmer*in und Führungskraft sein, das sind existenzielle Lernfelder! Es ist eine individuelle Entscheidung, wie sich die Teamführung weiterentwickelt. Spannungen und Schmerzen sind Teil jedes Weges. Ich habe diese folgenden fünf Punkte zusammengestellt. Diese konsequent zu verfolgen, trägt dazu bei, auf Dauer ein „guter Chef“ zu sein oder zu werden.

1. Tipp für stressfreie Teamführung: Nimm Dir Zeit für Selbstreflexion

Wenn Du nicht klar hast, was Du wirklich willst, dann bist Du auch für Dein Team verwirrend. Nimm Dir dafür regelmäßig ein bisschen Zeit:  täglich 10-15 Minuten, wöchentlich ein bis zwei Stunden, monatlich drei bis vier Stunden und zweimal pro Jahr ein Tag. Gewinne Klarheit für Dich – über Deine Motive und Werte, über Deine Wünsche und Träume, über das, was Dir gut tut und das, was Dich blockiert.

2. Tipp für stressfreie Teamführung: Wie wirkst Du und was bewirkst Du?

Du lebst nicht alleine auf einer Insel. Die Herausforderung ist, Deine Vorstellungen mit den Vorstellungen der anderen abzugleichen und einen gemeinsamen, kräfteschonenden Weg zu finden. Der Abgleich von Selbstbild und Fremdbild ist ein steter Prozess. Die Frage, die sich immer wieder stellt, ist: Was ist die Vorstellung in meinem Kopf und was ist real? Wie biege ich mir die Realität zurecht, dass mein „Weltbild“ erhalten bleibt? Oder: glaube nicht, was Du denkst!

3. Tipp für stressfreie Teamführung: Vermeide Demotivation und Kränkungen

Motivation kannst Du nicht machen, die bringen Menschen mit. 95 Prozent der Mitarbeiter leisten gute Arbeit leisten. Das ist meine Erfahrung. Doch oft ist nicht klar, was im Unternehmen „gute Arbeit“ ist. Es fehlen die Qualitätskriterien und die Prioritäten. Achte darauf, dass Du Deine Leute nicht demotivierst. Sei achtsam und empathisch mit Deinen Mitarbeitenden. Nicht als rhetorischer Trick, sondern echt als Mensch.

4. Tipp für stressfreie Teamführung: Achte auf eine wertschätzende Kommunikation imTeam

Als Verantwortlicher kannst Du diesen Punkt konsequenter einfordern als das Mitarbeitende untereinander tun können. Den klaren Rahmen, was geht und was nicht geht, setzt Du. Das ist Deine Verantwortung. Der Rahmen kann großzügig sein. Dazu, rate ich auch. Aber ein Rahmen ist eine Begrenzung. Das heißt, es gibt Dinge, die Du nicht duldest. Kommuniziere diese klar und deutlich.

5. Tipp für stressfreie Teamführung: Investiere in Deine eigene Weiterentwicklung

Unser Kopf kann nicht anders, als lernen: jeden Moment unseres Lebens. Die spannende Frage ist: Bestätigt unser Denken bekannte Dinge? Oder: Bleiben wir neugierig, gewohnte Sichtweisen in Frage zu stellen? Das heißt: Wir können Beobachtungen und Erlebnisse anders deuten und somit neue Erfahrungen machen. Suche Dir dafür unabhängiges, professionelles Feedback.

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Bildquelle: by Jiuguang Wang via flickr, CC BY-SA 2.0, no changes – keine Änderungen

Lioba Heinzler

erfrischend – lebendig – warmherzig – inspirierend – ermutigend

ist Impulsgeberin mit Spaß an Herausforderungen. Die zentralen Themen in ihrem Leben sind Lernen und Veränderung, um miteinander eine bessere (Arbeits-) Welt gestalten.

Sie setzt auf die Stärken von Menschen und erlebt Veränderung und Krise als Chance, Alternativen zu finden und neue Wege zu gehen. Wandel und Lernen in wertschätzender Atmosphäre setzen für sie in besonderem Maße Energien und Stärken frei, mit denen Neues kreativ und lebendig entstehen kann. Nach 15 Jahren Festanstellung ist Lioba Heinzler seit 2000 selbständig tätig als Supervisorin und Business Coach DGSv in Veränderungsprozesse in Unternehmen und Organisationen. Von 2007 bis 2017 war sie Geschäftsführerin der Partnerschaftsgesellschaft moewe – Beratung in der Arbeitswelt. Seit 2017 ist sie selbständig als lioba heinzler. – … damit es gut weitergeht. Für Sie und Ihr Unternehmen.

Sie begleitete in den mehr als 30 Jahren ihrer beruflichen Tätigkeit Prozesse von über 250 Einzelcoachings, 150 Gruppen und über 200 Teams, teilweise über Jahre hinweg. Sie führte über 600 Workshops und Moderationen, 1000 Trainings- und Seminartage durch und hielt über 500 Vorträge.