Von Steuerberatern und Rechtsanwältinnen höre ich immer wieder, dass es Unternehmensnachfolgen gibt, bei denen die Übergabe-Verhandlungen für alle Beteiligten sehr anstrengend und aufreibend sind.  Sicherlich sind die konkreten Auslöser und Auswirkungen unterschiedlich, doch eine zentrale Ursache ist, dass im Vorfeld beide Seiten für sich nicht geklärt hatten, was für sie welchen Wert hat und wie ihre Priorität sind.

Dies ist bei einem solch komplexen Thema auch nicht einfach. Wo fängt man an, dieses große Puzzle mit seinen vielen verschiedenen Teilen zu sortieren? Wie behält man den Überblick bei den vielfältigen Facetten der verschiedenen Aspekte mit all ihren Fragen?

Eine Unternehmensnachfolge ist ein anspruchsvolles Projekt: Handhaben Sie es als solches!

Denken Sie vom Ende her: Wann soll die Übergabe stattfinden? Machen Sie zuerst einen groben Projektplan. Dieser sieht für Sie als Übergeber*in anders aus, als wenn Sie Übernehmer*in sein sollten. Es ist einfacher, wenn Sie als Übergeber*in frühzeitig planen und Initiative ergreifen. So werden Sie nicht vom Leben überrollt und von Fristen eingeholt. Auch, weil Sie dann immer auch noch Luft und Zeit für Plan B haben, sollte die erste und naheliegende Idee nicht funktionieren.

Für dieses Projekt brauchen Sie ZEIT: Reservieren Sie sich diese!

Ihr Arbeitsalltag ist wie der der meisten Selbstständigen gut gefüllt mit Terminen und Aufgaben, die abgearbeitet werden müssen. Wenn Sie sich nicht bewusst Zeit für dieses wichtige Projekt reservieren, wird die Dringlichkeit der täglichen Aufgaben Ihnen keine Zeit lassen, um das Puzzle zu sortieren und Klarheit zu gewinnen. Am besten suchen Sie sich dafür auch einen anderen Ort, als den Schreibtisch Ihrer täglichen Arbeit.

Gehen Sie raus in ein ruhiges Café, ein Hotel oder was auch immer Ihre Wohlfühl-Oase ist, um in Ruhe für ein paar Stunden Ihren Gedanken freien Lauf zu lassen. Nutzen Sie ein schönes Notizbuch, in dem Sie Ihre Gedanken schriftlich festhalten. Handschriftlich geht eine solche Arbeit den meisten leichter von der Hand. Skizzieren Sie mit verschiedenen Farben, Pfeilen, Kreisen und anderen Symbolen Ihren Gedankenfluss, so dass Sie Ihre Gedanken, vielleicht auch als Mindmap, bildlich darstellen.

Bedenken Sie: Das Thema „Übergabe“ hat viel mit Ihrer Lebensgeschichte zu tun. Für Sie als Übergeber*in zum größeren Teil mit der, die Sie gelebt und erfahren haben, für Sie als Übernehmer*in zum größeren Teil mit der, die noch vor Ihnen liegt. Es geht also um Ihre Erfahrungen, Visionen, Hoffnungen, Enttäuschungen, Ängste, um Ihre Emotionen und Werte. Sich diesen zu stellen, ist nicht immer angenehm. Doch je mehr Sie sich diesen Spannungen stellen und diese als Teil Ihres Lebens annehmen, umso weniger führen diese ein Eigenleben, das Ihnen und anderen das Leben immer wieder schwermacht.

Glaube nicht, was Du denkst. Oder: wer nicht fragt, bleibt dumm!

Fragen helfen uns,

  • gewohnte Sichtweisen auf den Kopf zu stellen,
  • hinter die Fassade zu blicken,
  • Selbstverständliches nochmals anders zu sehen.

Manchmal piksen sie und kratzen uns, decken Widersprüche auf und sind unangenehm. Damit helfen sie uns weiterzuentwickeln, zu lernen, lebendig und neugierig zu bleiben. Und eben nicht abzustumpfen. Seien Sie vorsichtig, wenn Sie nun weiterlesen. Es könnte unbequem für Sie werden!

Fragen an den Übergeber*in:

  • Wann will ich mich wie verabschieden?
  • Welchem Vorlauf brauche ich, um mich angemessen zu verabschieden?
  • Was wäre die optimale Lösung fürs Unternehmen? Und finanziell für mich?
  • Was mache ich mit meiner neuen Freiheit? Wie stelle ich mir die nächste Lebensphase vor?
  • Will ich firmenintern oder familienintern übergeben? Wer kommt dafür in Frage?
  • Welches Thema macht mir am meisten Bauchschmerzen? Was ist meine größte Sorge?
  • Was liegt mir in Bezug auf die Firma am meisten am Herz? Was ist mein größter Wunsch?
  • Welches sind meine entscheidenden Werte, die ich weitergeben möchte?
  • Was ist für mich notwendig, um die Firma gut loslassen zu können?
  • Was brauche ich, um in die Nachfolge vertrauen zu können?
  • Wie geht es mir bei dem Gedanken, dass meine Nachfolger*in Entscheidungen trifft, die ich so nicht getroffen hätte?
  • Zu welchem Zeitpunkt ist es klug, die Mitarbeiter und Kunden zu informieren?

Fragen an den Übernehmer*in:

  • Will ich die Übernahme der Firma wirklich? Oder arbeite ich lieber in einem anderen, größeren/kleineren Unternehmen?
  • Reicht mir diese Firmengröße und Branche? Oder will ich eigentlich etwas ganz Anderes?
  • Traue ich mich? Bekomme ich das wirklich hin?
  • Wird wirklich übergeben oder hängt der/die Seniorchef*in immer noch mit drin?
  • Wie kommen alle in ein Boot und wie halte ich sie dort?
  • Was sagen die anderen in der Firma, in der Familie?
  • Welches Thema macht mir am meisten Bauchschmerzen? Was ist meine größte Sorge?
  • Was liegt mir in Bezug auf die Firma am meisten am Herz? Was ist mein größter Wunsch?
  • Wie soll mein Berufs-, Privat- und Familienleben in zehn Jahren aussehen?
  • Welche Sätze prägen mich und meine Familie in Bezug auf die Arbeit, die Firma und auf das Familienleben?
  • Stimmen meine wichtigsten Werte mit denen der Unternehmenstradition überein?
  • Wie geht es mir damit, dass ich Entscheidungen treffen muss, die bisher so nicht üblich waren?

Einen umfangreichen Übergabe-Arbeitsbogen mit diesen und vielen weiteren Fragen können Sie sich gerne kostenfrei downloaden. Fordern Sie ihn einfach unter dem Artikel an.

“Tradition ist nicht die Anbetung der Asche, sondern die Weitergabe des Feuers.” (Gustav Mahler)

Sie brauchen einen Denkpartner.

Damit Lebensentscheidungen von großer Tragweite nachhaltig bestehen, sollten sie so bewusst wie möglich getroffen werden. Wenn Sie sich systematisch den entscheidenden und zukunftsweisenden Fragen stellen, legen Sie eine tragfähige Basis für eine gute Entscheidung im Konsens mit den Beteiligten. Das gilt für Sie als Übergeber*in, wie auch Übergeber*in. Hilfreich ist auch immer, sich eine externe professionelle Unterstützung zu suchen. Vielleicht in einem Einzelcoaching mit einem Denkpartner. Oder bei einem zum Thema passenden Workshops von anderen zu hören, wie sie dieses Thema angehen.

Es geht es weiter mit dem 3. Artikel zum Thema:
Vertragsverhandlung zur Unternehmensnachfolge. Oder: Von der Bereitschaft zum Risiko und dem Umgang mit der eigenen Angst.

Weitere Themen in dieser Reihe:

Meine Veranstaltungen zum Thema Nachfolge:

21. Juni 2017: Bundesweiter Aktionstag „Unternehmensnachfolge ist weiblich“: Ich bin wieder mit dabei. Webinare und Workshops zum Thema finden Sie auf meiner Webseite unter Termine.

In den nächsten Monaten folgt ein Podcast zum Thema Nachfolge und Übergabe. Ich halte Sie gerne auf dem Laufenden, hinterlassen Sie einfach Ihre E-Mail-Adresse.

Sie möchten direkt mit mir sprechen? Vereinbaren Sie einen Telefontermin unter: +49 202 85 06 97 86

Herzliche Grüße aus Wuppertal,
Ihre Lioba Heinzler

(Bildquelle: «Puzzle» by Kevin Dooley via flickr, CC BY 2.0, no changes – keine Änderungen)