… und auch nicht sein solltest.

Sie arbeiten schon viele Jahre mit Ihren Kollegen zusammen. Sie sind eine eingeschworene Mannschaft und habe schon manches miteinander erlebt und manche knifflige Situation gemeistert. Alles läuft. Doch etwas hat sich grundlegend geändert: Sie sind seit einigen Monaten Teamleiter: das alte Arbeitsfeld, die gleiche Aufgabe, die vertrauten Menschen und doch ganz anders. Steht die Freundschaft auf dem Spiel?


1.    Sie schulden anderen Menschen Rechenschaft als Ihr Team und tragen eine andere Verantwortung für das Ergebnis als die Teammitglieder.

Bisher war da ein anderer, der Puffer war zwischen dem Team und der gesamten Firma. Jetzt sind Sie es. Wenn’s gut läuft, ist es selbstverständlich.

Wenn’s schief läuft, stehen die bei Ihnen auf der Matte. Und alle wollen „karierte Maiglöckchen“. Sofort. Außerdem sitzen Sie regelmäßig in den Abteilungsbesprechungen und versuchen an den Schnittstellen den anderen zu klären, was zu klären geht und zu retten, was zu retten ist. Und wöchentlich die schriftliche Rückmeldung an den Chef und jede zweite Woche ein Gespräch dazu. Puh.

Sie wussten bei Ihrem ehemaligen Teamleiter, dass er das tun muss. Doch was es wirklich an Belastung bedeutet, wissen Sie erst, seit Sie zwischen all den Stühlen sitzen und die Zerrissenheit erleben. Das MEHR an Verantwortung wirkt sich ganz konkret aus: Sie spüren immer mehr die unterschiedlichsten Erwartungen, sehen immer mehr Arbeit und haben immer weniger Zeit.

2. Sie brauchen vertrauensvolle Beziehungen zu Ihren Teammitgliedern UND müssen die Ergebnisse kontrollieren.

Ja, Ihr Miteinander im Team war früher immer sehr vertrauensvoll. Sie konnten sich gut aufeinander verlassen. Das ist Ihnen nach wie vor wichtig, doch da Sie für das Ergebnis verantwortlich sind, müssen Sie nun auch kontrollieren, was am Ende des Tages dabei herauskommt.

Doch in Ihrem Denken, wie auch dem Denken Ihrer alten Kollegen, ist das ein Widerspruch. Entweder Vertrauen oder Kontrolle. Bei den Chefs, die kontrollieren, gab es keine so vertrauensvolle Beziehung.

3. Sie haben in den Augen Ihrer alten Kollegen das Lager gewechselt.

Ihre alten Kollegen sehen Sie nun mit anderen Augen. Sie verstummen plötzlich, wenn Sie in die Nähe kommen. Sie erzählen Ihnen vieles nicht mehr, was früher selbstverständlich war. Sie haben das Gefühl, dass sich die anderen zusammenrotten und Sie nicht mehr dazugehören.

Das ist nicht nur ungewohnt und verunsichernd. Das ist auch schmerzlich. Was hat es zu bedeuten, dass sie schweigen oder das Thema wechseln? Was sollen Sie nicht hören oder mitkriegen?

4. Sie haben mehr Wissen über Firmeninterna und kooperieren mit neuen Kollegen.

Sie können nicht mehr alles sagen, was Sie wissen. Früher gab es die Flurfunk-Informationen, die Sie untereinander geteilt haben. Heute haben Sie Informationen aus erster Hand, die noch nicht an alle gegeben werden dürfen und die Sie nicht verwenden können.

Außerdem verbringen Sie viel Zeit mit den Absprachen mit den anderen Teamleitern, wenn die Arbeit reibungslos laufen und die Prozesse sich verbessern sollen. Es bleibt einfach nicht mehr so viel Zeit für die alltäglichen Tür- und Angelgespräche mit den alten Kollegen. Mein Ratschlag:

Leben Sie Ihre neue Rolle: umsichtig, wertschätzend und klar.

Ihnen ist Ihre neue Position von anderen übertragen worden. Sie erfordert eine neue Haltung von Ihnen. Wenn beides stimmig zusammenpasst, haben Sie Ihre Rolle gefunden. Das heißt,

  • Sie tragen mehr Verantwortung,
  • Sie sind fürs Ergebnis verantwortlich und müssen kontrollieren,
  • Sie haben neue Loyalitäten in der Firma,
  • Sie müssen mit anderen Kollegen kooperieren.

Das liegt in der Natur der Sache und lässt sich nicht wegdiskutieren. Jeder Versuch, dies zu relativieren oder gar zu rechtfertigen, schwächt Sie in Ihrer Position und Glaubwürdigkeit. Ihre Arbeit als Führungskraft ist schwer und verwirrend, solange Sie im Herzen noch Kumpel im Team sind und dazu gehören wollen. Am besten ist, Sie akzeptieren die neuen Gegebenheiten und suchen sich einen Mentor oder Coach, der Sie begleitet und unterstützt, die Gefahren des Kumpel-Seins als Chef zu erkennen und zu umschiffen. Je schneller Sie in Ihrer neuen Rolle ankommen, umso leichter ist der Alltag in Ihrem Team. Für Sie und alle Beteiligten.

Beste Grüße aus dem W-tec,
Ihre Lioba Heinzler

• Supervisorin DGSv
• Coach für Veränderung

(Bildquelle: «holding hands – together forever» by Martin Fisch via flickr, CC BY-SA 2.0 – no changes)