Führungskräfte im Spannungsfeld von Position, Persönlichkeit und System.

Artikel in der Blogreihe «Führen und Leiten»

Immer wieder höre und erlebe ich diese Zerrissenheit bei Führungskräften. Als erstes werden die unterschiedlichen Erwartungen der Menschen aus dem Team benannt, dann kommen die Vorgaben des Chefs dazu und zur Krönung gibt es die Forderungen der Kunden oder der anderen Abteilungen obendrauf. Ja, jetzt, wie? Und dabei einen kühlen Kopf behalten und gelassen und souverän die richtigen Entscheidungen fällen?

Für alle Leitungskräfte ist es tagtäglich eine große Herausforderung, den Menschen mit Ihren unterschiedlichen Interessen, den Anforderungen und Sachzwängen im Arbeitsalltag gerecht zu werden. Um diese anspruchsvolle Aufgabe auf Dauer sinnvoll zu gestalten, ist es entscheidend, immer wieder die zentralen Eckpunkte zu sortieren.

Das Spannungsfeld unter die Lupe

  • Ja, die einzelne Führungskraft mit ihrer Persönlichkeit kann eine Menge gestalten und bewirken. Jedoch nicht alles.
  • Ja, eine bestimmte Position heißt Macht und somit Einfluss und Gestaltungraum. Aber dies gelingt nie alleine.
  • Ja, das System, in das der einzelne eingebunden ist, aber auch die Abteilung und auch das ganze Unternehmen mit seiner Unternehmens- und Führungskultur, ist mächtig und wirkt. Doch es immer auch in Teilen veränderbar.

Die einzelne Führungskraft hat Möglichkeiten, ihre Aufgabe zu gestalten und ist gleichzeitig eingebunden in ein System. Dieses prägt die Kultur des Unternehmens und damit auch der Führung und Leitung. Und doch ist die einzelne Führungskraft entscheidend und machtvoll, denn Mitarbeitende kündigen sehr selten wegen des Unternehmens. In der Regel kündigen Mitarbeitende, weil sie mit dem direkten Vorgesetzten nicht klar kommen.

Situativ

Es geht bei diesen Überlegungen nicht um richtig und falsch, sondern darum was hilft, dass der Spaß an der Arbeit erhalten bleibt. Denn das schlägt sich auf das Arbeitsergebnis positiv nieder. Sie wissen es auch selbst, dass es ihn nicht gibt, den einen richtigen, in allen Situationen passenden Führungsstil. Dieser ist immer abhängig von der Aufgabe, dem Individuum mit ihrer Persönlichkeit, ihrem Können und Wollen und der Situation. Der Fachbegriff dafür heißt situative Führung. Und die Art und Weise ist außerdem sehr abhängig von der Führungskraft, der Einrichtungsleitung selbst. Glaubwürdigkeit ist sehr persönlich.

Um was geht es überhaupt bei Führen und Leiten in Ihrem Alltag?

Für mich sind Eckpunkte nachhaltiger Führung, die Raum gibt für die Entfaltung des Potentials der einzelnen Teammitglieder gibt, folgende:

  • Klarer, stressarmer Rahmen, in dem die Einzelnen sich einbringen können. Das gilt zum einen für die Beziehungen im Team und somit auch die Fragen der Macht und des Einflusses. Und zum anderen für geklärte Verantwortlichkeiten und klare Zuständigkeit in den Aufgaben.
  • Ein angstfreies Klima der wohlwollenden Unterstützung und der respektvollen Kommunikation in alle Richtungen. Mitarbeitende brauchen emotionale Sicherheit, um sich auf ihre Aufgabe voll und ganz konzentrieren zu können. Für Führungskräfte heißt das, dass ihre Rückmeldungen klar in der Sache sein und gleichzeitig verbindliche vertrauensvollen Beziehungen gestalten müssen.

Ich beobachte zwei verschiedene Herangehensweisen der Führungskräfte, die von ihrer Persönlichkeit und auch der Unternehmenskultur bzw. auch Branche abhängen. Wenn ich es überzeichne, dann ist die eine Art ist eher die „Kumpel oder Gute Freundin-Leitung“, die andere Variante ist „der Dienstvorgesetze“. Diese zwei Ansätze mit Ihren Vor- und Nachteilen stelle ich Ihnen in den nächsten Beiträgen vor und gebe Ihnen Anregungen, wie Sie sich Ihren Führungsalltag leichter und Ihren Führungsstil auf Dauer tragfähig gestalten können.

Beste Grüße aus dem Technologiezentrum W-tec in Wuppertal

Ihre Lioba Heinzler
• Supervisorin DGSv
• Coach für Veränderungsprozesse

(Bildquelle: «blister in the sun» by Martin Fisch via flickr, CC BY-SA 2.0 | no changes – keine Änderungen)