Jetzt im Herbst geht es überall los. Die Jahresplanung steht an, und mit ihr das Visionboard: eine Pinnwand, eine Collage, eine Tafel gegenüber vom Schreibtisch. Darauf kommt alles, was im nächsten Jahr in Dein Leben soll. Für die eine ist es der Garten, für die andere mehr Zeit mit Freundinnen und Familie, für die dritte der Umsatz, den sie bisher nicht laut auszusprechen wagte.
Ich mag Visionboards. Ich habe in meinem Leben viele gebaut und vieles davon erreicht. Nur oft später als gedacht und mit mehr Mühe als nötig.

Heute fange ich anders an. Erst kommt die Pokalwand. Dann das Visionboard.


Warum ein Visionboard allein nicht reicht

Je klarer Deine Vorstellung ist, desto wahrscheinlicher erreichst Du sie. Das stimmt, und deshalb ist ein Visionboard ein gutes Werkzeug. Ziele hoch bis zum Mond – und wenn Du ihn verfehlst, landest Du immer noch zwischen den Sternen.
Aber ich erlebe seit über 20 Jahren etwas anderes, bei Unternehmerinnen, die ihr Business aufbauen, genauso wie bei denen, die ein Unternehmen übernehmen: Sie haben ambitionierte Ziele und eine großartige Vision. Und sie verausgaben sich dabei völlig. Sie leben unter der Spannung von höher, schneller, weiter. Das Märchen von der harten Arbeit hat im letzten Jahrhundert vielleicht funktioniert. Heute funktioniert es nicht mehr.


Ein Visionboard schaut nach vorn, auf das, was noch ins Leben kommen soll. Wer nur dorthin schaut, fühlt sich dauerhaft im Minus. Egal, wie viel sie tut, es ist nie genug. Ich kenne das gut. Ich hatte meine Vision klar, meine Ziele sauber formuliert, meine Jahresplanung stand. Und trotzdem lief ich jahrelang im Business-Dauersprint.


Jede Spannung braucht Entspannung. Wer morgens motiviert aus dem Bett springt, braucht den Gegenpart am Abend: zufrieden Feierabend machen, zu einer guten Uhrzeit, statt halbtot ins Bett zu fallen.
Und noch etwas: Eine Vision entsteht im Herzen und im Kopf. Damit sie standfest wird und Boden bekommt, braucht sie etwas, das Dich erdet. Ein Visionboard ohne Boden bleibt ein schönes Bild.


Was ist eine Pokalwand?

Die Pokalwand ist der Gegenspieler Deines Visionboards. Auf ihr sammelst Du, was Du schon bewirkt und erreicht hast. Ob als Pinnwand, Collage oder digitales Board, ist egal. Wichtig ist, dass Du sie siehst.
Auf Deine Pokalwand gehört:

  • Was sich bei Deinen Kundinnen und Kunden verändert hat, weil es Dich gibt.
  • Ihre Rückmeldungen: eine Mail, eine Dankeskarte, eine Bewertung, ein Satz aus einem Gespräch, der Dir nachgeht.
  • Was Du geschafft hast: Ausbildungen, Abschlüsse, Aufträge, auf die Du stolz bist.
  • Die steinigen Wege: Krisen, die Du überstanden hast. Entscheidungen, für die Du Mut gebraucht hast.
  • Zahlen: Dein bester Monat, Deine treueste Kundin, Deine Jahre am Markt.

Warum das so wichtig ist? Viele Unternehmerinnen, die ich begleite, sind die beste Mitarbeiterin ihrer eigenen Firma. Sie haken Erfolge ab wie eine Einkaufsliste und gehen direkt zur nächsten Aufgabe. Wer so arbeitet, sieht die eigene Größe nicht. Und wer die eigene Größe nicht sieht, rabattiert sich selbst, lange bevor die Kundin verhandelt.
Die Pokalwand ist Dein Realitätscheck. Sie zeigt Dir schwarz auf weiß: Du hast die Macht, das Leben Deiner Kundinnen zu verändern. Du tust es längst.


Der zweite Gegenspieler: Deine Ressourcen

Neben die Pokalwand gehört eine zweite Sammlung: Was ist schon alles da? Deine Ausbildungen und Erfahrungen. Dein Team und Deine Unterstützerinnen. Deine Familie, die zu Dir steht. Dein Netzwerk, Deine Methoden, Deine Vorlagen.
Wenn Du das vor Augen hast, merkst Du: Du musst das Rad nicht jedes Mal neu erfinden. Du kannst neu sortieren, neu zusammensetzen und daraus etwas Neues bauen. Du schöpfst wie aus einer Quelle.


Dein Spielfeld: Visionboard, Pokalwand und Ressourcen

Zusammen stecken die drei Dein Spielfeld ab. Das Visionboard zeigt, wohin Du willst. Die Pokalwand zeigt, was Du schon bewirkt hast. Deine Ressourcen zeigen, womit Du arbeitest.
In diesem Spielfeld sind jeden Tag zwei Dinge an Dir: das Tun und die Reflexion.
Das Tun ist den meisten klar. Ärmel hoch, anpacken, die Planung in die Welt bringen. Die Reflexion dagegen wird fast immer unterschätzt. Ohne sie wiederholst Du einfach, was Du bisher getan hast. Täglich grüßt das Murmeltier.
Reflexion heißt: Bilanz ziehen. Was ist gelungen, was nicht? Was hat dazu geführt? An welcher Stelle hakte es? Und zwar ohne Dich abzuwerten, so sachlich wie möglich. Dein Resümee nimmst Du mit in die nächste Planung. So wird Dein Business Schritt für Schritt leichter und professioneller.


So erstellst Du Pokalwand und Visionboard – in dieser Reihenfolge

  1. Die Pokalwand (etwa 60 Minuten). Sammle, es geht erst mal nicht um schön. Schöner machen kannst Du später. Diese Fragen helfen Dir: Worauf bin ich in diesem Jahr stolz? Bei welcher Kundin hat sich etwas verändert? Welcher Satz einer Kundin klingt bis heute nach? Was habe ich überstanden?
  2. Deine Ressourcen (etwa 20 Minuten). Was ist schon alles da, worauf Du zurückgreifen kannst? Menschen, Wissen, Werkzeuge, Erfahrungen.
  3. Bilanz ziehen (etwa 30 Minuten). Was ist gelungen, was nicht, und warum? Schreib Dir drei Sätze auf, die Du ins neue Jahr mitnimmst.
  4. Erst jetzt: Dein Visionboard. Und dann frag Dich: Geht es noch ein bisschen größer? Es geht nicht darum, Deine Ziele herunterzuschrauben. Es geht darum, einen Weg zu finden, der zu Dir passt.
  5. Aufhängen, wo Du es siehst. Am besten beides nebeneinander. Das Visionboard für den Morgen, die Pokalwand für den Abend.

Visionboard Ideen für Unternehmerinnen

Der Porsche und der Strand sind erlaubt. Für Unternehmerinnen lohnt sich aber ein Blick auf Bilder, die Dein Unternehmen verändern:

  • Deine Woche mit Feierabend um 16 Uhr
  • Das Gehalt, das Du Dir selbst fest auszahlst
  • Ein Foto Deines Teams, das ohne Dich entscheidet
  • Zwei Wochen Urlaub, ohne ins Postfach zu schauen
  • Die Kundin, mit der Du am liebsten arbeitest – und zehn wie sie
  • Und die Idee, die fast alle vergessen: daneben die Pokalwand


Visionboard Beispiele – und wie meine Pokalwand aussieht

Ich baue meine Pokalwand gerade neu. Mit den Stimmen meiner Kundinnen, mit Presseberichten und mit den Wegen, die steinig waren. Über die Pokalwand habe ich übrigens schon vor einigen Jahren im BusinessLunch gesprochen. Die Folge findest Du hier:


Im Januar: Das Jahr der Eigentümerin

Am 15. Januar 2027 plane ich mit Unternehmerinnen ihr neues Jahr, im Workshop »Das Jahr der Eigentümerin«. Wir fangen mit dem an, was Dich erdet: Deiner Pokalwand und Deiner Bilanz. Erst dann planen wir, was Du als Nächstes baust. [LINK Workshop, falls vorhanden]
Wenn Du vorher schon loslegen willst: Zwischen den Jahren verschicke ich die detaillierte Anleitung meiner Pokalwand-Vorlage an die Teilnehmerinnen.

Erst die Pokalwand. Dann das Visionboard. Du stehst auf mehr Erfolgen, als Du denkst.

Wer hier schreibt

Lioba Heinzler — Architektin für unternehmerische Entwicklung. Seit über 20 Jahren begleite ich Unternehmerinnen dabei, ein Unternehmen zu bauen, das ihnen gehört, statt sie zu besitzen.

→ Mehr über mich: liobaheinzler.de/ueber-mich/

Das Eigentümerinnen-Dossier · kostenfrei

Sechs Teile darüber, warum ein gut laufendes Business trotzdem kein Vermögenswert ist. Und warum Ersetzbarkeit Deine Superkraft ist. Sofort im Postfach, danach ein Gedanke pro Tag. Fünf Minuten Lesen, das Tempo bestimmst Du.

Dir hat dieser Beitrag gefallen? Prima, dann teile ihn.