FĂŒnf Monate fast ohne mich

FĂŒnf Monate fast ohne mich

Warum ich anfing, mich ĂŒberflĂŒssig zu machen – und warum genau das mein Unternehmen getragen hat, als ich am wenigsten da sein konnte.

Es gab in den vergangenen anderthalb Jahren einen Zeitraum von fĂŒnf Monaten, in dem ich kaum in meinem eigenen Unternehmen war. Nicht, weil ich Urlaub gemacht hĂ€tte. Sondern weil mein Leben mich woanders brauchte, vollstĂ€ndig.

Inhaltsverzeichnis

  1. Als mein Leben mich woanders brauchte
  2. Die PrĂŒfung: Was passiert, wenn die Chefin verschwindet?
  3. Kein GlĂŒck, sondern gestaltet
  4. Ersetzbarkeit ist keine SchwÀche, sondern eine Superkraft
  5. Und wo stehst Du?

Als mein Leben mich woanders brauchte

Ein ganzes Jahr lang haben mein Mann und ich ein Geheimnis mit uns herumgetragen: Wir verlagern unseren Lebensmittelpunkt um knapp 400 Kilometer in den SĂŒden. Wir haben viiiiele Objekte angesehen, unser Haus verkauft, insgesamt drei Immobilien die Besitzer:innen wechseln lassen und ein neues Zuhause gefunden – ausgerechnet in Malsch, meinem Geburtsort, was so gar nicht geplant war.
Mein Mann bringt den Mut auf, mit mir dieses Wagnis einzugehen – samt der Aufgabe, die Sprache der badischen Aborigines zu lernen. Und meine betagten Eltern brauchen immer mehr UnterstĂŒtzung; die Frage, wie es gut fĂŒr sie weitergeht, wurde in dieser Zeit zu meiner. Das ist kein Randthema, das man abends nebenbei erledigt. Das ist ein Leben, das sich in Kisten, Notarterminen, Behörden und Verantwortung neu sortiert.
Ich dachte, bis Weihnachten – vier Monate nach dem Umzug – wĂ€re der ganze Verwaltungskram erledigt. Bis heute ist die Liste offener To-dos lang. Wir hatten den Aufwand völlig unterschĂ€tzt.

Die PrĂŒfung: Was passiert, wenn die Chefin verschwindet?

Wer selbststĂ€ndig ist, kennt den Reflex, der in so einer Phase kommt: Das Business darf jetzt bloß nicht auch noch kippen. Also arbeitet man nachts nach. Man ist erreichbar, obwohl man erschöpft ist. Man hĂ€lt alles selbst zusammen, weil man glaubt, dass es sonst zusammenfĂ€llt.
Ich habe es anders gemacht. Nicht, weil ich so tapfer war, sondern weil ich keine Wahl hatte. Ich konnte nicht gleichzeitig meine Eltern begleiten, einen Umzug ĂŒber 400 Kilometer stemmen, das alte Haus ĂŒbergeben – und weiter die Einzige sein, an der in meinem Unternehmen alles hĂ€ngt. Etwas musste tragen, ohne mich.
Damit stand ich plötzlich selbst vor der PrĂŒfung, die ich seit ĂŒber zwanzig Jahren mit meinen Kundinnen durchgehe: Was passiert mit einem Unternehmen, wenn die Chefin verschwindet? Nicht fĂŒr zwei Wochen Urlaub. FĂŒr Monate.
Es lief weiter.
Nicht perfekt, nicht ohne Reibung. Aber es lief. Mein Team traf Entscheidungen, ohne auf mein Ja zu warten. Prozesse griffen, die wir vorher gebaut hatten. Aufgaben liefen ĂŒber Menschen und Strukturen, nicht mehr nur ĂŒber meinen Kopf.

Kein GlĂŒck, sondern gestaltet

Es ist wie mit unserem neuen Zuhause. Wir wohnen heute traumhaft: tagsĂŒber großzĂŒgig, mit einer KĂŒche, die keine WĂŒnsche offenlĂ€sst, und zwei Homeoffice-BĂŒros. Am Feierabend fast tĂ€glich der Blick auf ein Abendrot mit dem Sonnenuntergang hinter den Vogesen. Die hĂ€ufigste Reaktion darauf ist: Da habt ihr aber GlĂŒck gehabt. Und ja, es war GlĂŒck dabei, dass genau dieses Haus zu genau diesem Zeitpunkt frei war. Aber die fast zwanzig Besichtigungen davor hatten unseren Blick so geschĂ€rft, dass wir in dem einen Moment sofort wussten: Das passt.
Genauso ist es mit einem Unternehmen. Ich habe einmal in einem Neujahrsgruß geschrieben: Es gibt im Leben Dinge, die ich nicht in der Hand habe – das fĂ€llt unter GlĂŒck, Pech, Schicksal. Und es gibt eine Menge, das ich gestalten kann. Dass mein Unternehmen diese fĂŒnf Monate getragen hat, fiel nicht unter GlĂŒck. Es fiel unter das, was ich Jahre vorher gestaltet hatte: mich in meinem eigenen Unternehmen ersetzbar zu machen.

Ein Unternehmen baut man nicht anders als ein Traumhaus – mit Plan, Struktur und richtig guten Materialien. Nur dass beim Unternehmen der wichtigste Baustein ist, dass es ohne Dich steht.

Ersetzbarkeit ist keine SchwÀche, sondern eine Superkraft

Zwanzig Jahre lang habe ich Unternehmerinnen erklÀrt, warum
Ersetzbarkeit keine SchwÀche ist, sondern eine Superkraft. Ich habe daran geglaubt. Ich konnte es gut erklÀren. Aber es gibt einen Unterschied zwischen etwas glauben und es am eigenen Leib bewiesen bekommen.
Jetzt weiß ich es nicht mehr nur aus den Betrieben, die ich begleite. Ich weiß es aus meinem eigenen. Ein Unternehmen, das nur lĂ€uft, wenn Du jeden Tag da bist, ist keine Sicherheit – auch wenn es sich so anfĂŒhlt. Es ist ein Risiko, das nur so lange gutgeht, bis das Leben Dich woanders braucht. Und das Leben wird Dich irgendwann woanders brauchen.

Du brauchst dafĂŒr keine Krise.

Aber die meisten von uns finden erst dann heraus, ob ihr Unternehmen ohne sie trĂ€gt, wenn sie gezwungen sind, zu verschwinden. Ich hĂ€tte es Dir gegönnt, es vorher zu wissen. Genau deshalb habe ich in den letzten Monaten mit meinem Team nochmals alles auf den PrĂŒfstand gestellt: was können wir noch mehr vereinfachen und unabhĂ€ngiger von mir gestalten? Denn die tĂ€glichen Anrufe meines Vaters, der sich mit 88 Jahren um meine demente Mutter kĂŒmmert, kosten Zeit und vor allem viel Energie.
Im Hintergrund habe ich mit meinem Team alles zusammengetragen, was eine Unternehmerin braucht, damit ihr Betrieb auch in herausfordernden Zeiten fast ohne sie funktioniert.

Und wo stehst Du?

Der erste Schritt ist eine ehrliche Frage. Ich habe sie in ein kurzes Dossier gepackt: Besitzt Du Dein Unternehmen – oder besitzt es Dich? Ein Gedanke pro Tag. Am Ende weißt Du, ob Dein Business ein Asset ist, das Dich trĂ€gt – oder ein Job, der Dich braucht.
Zum Dossier: liobaheinzler.de/dossier

Brave MÀdchen warten auf den Prinzen. Kluge Frauen satteln selbst das Pferd. Und kluge Unternehmerinnen bauen ein Unternehmen, das auch dann steht, wenn sie selbst gerade nicht können.

Deine Lioba

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Wer hier schreibt

Lioba Heinzler — Architektin fĂŒr unternehmerische Entwicklung. Seit ĂŒber 20 Jahren begleite ich Unternehmerinnen dabei, ein Unternehmen zu bauen, das ihnen gehört, statt sie zu besitzen.

→ Mehr ĂŒber mich: liobaheinzler.de/ueber-mich/

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Das System war falsch. Also habe ich ein eigenes gebaut.

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Die letzten Wochen habe ich meine Marke von Grund auf neu aufgestellt. Nicht, weil das Alte nicht funktioniert hÀtte. Sondern weil ich gemerkt habe: Es hat das Falsche belohnt.

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