Vor 5 Jahren hatten wir die Idee, dass ortsunabhängiges Arbeiten toll für uns wäre. Im Dezember 2022 haben wir es für 14 Tage an der Algarve ausprobiert und es gefiel uns.

Von langer Hand planten wir dann im vergangenen Jahr 6 Wochen am Stück. Ich habe frühzeitig allen Kunden Bescheid gegeben, dass ich Termine vor Ort nur bis Anfang November annehmen werde. Wir waren begeistert.

So waren wir, mein Mann und ich, vom 10. November bis zum 24. Dezember in einer Ferienwohnung an der Algarve. Wir verbanden Arbeit und Urlaub: jede Woche 4 Tage Arbeit und 3 Tage Urlaub.

Unser Resümee dieser Erfahrung ist uneindeutig. Wir sind im Moment nicht sicher, ob wir es in diesem Jahr wiederholen werden.

Was für uns auf der Positivseite steht:

Natürlich die Workation-Sonne und das Workation-Wetter.

Wir hatten in den 6 Wochen 2 Regentage und 5 Tage Wolken. Ansonsten blauer Himmel und tagsüber angenehme 16 bis 20 Grad. Und die Sonne macht alle Farben kräftiger: den Himmel, das Meer, die Palmen und Bäume, den Strand und die Felsen. Durch die Zeitverschiebung machten wir nach deutscher Zeit um 16 Uhr Feierabend. Ortszeit war 15h und wir hatten noch 2,5 Stunden Sonnenschein. Unser ausgiebiger Strandspaziergang war natürlich attraktiver als bei deutschem Schmuddelwetter spazieren zu gehen.

Wir nutzten unsere Urlaubstage für Ausflüge. Und da das Wetter verlockend und unsere Neugierde groß war, haben wir viel gesehen und ausprobiert.

Das hatte Auswirkungen auf meine Priorisierung und Zeitmanagement bei der Arbeit. Ich wollte pünktlich Feierabend machen und mit 4 Arbeitstagen hinkommen. Also musste ich mich konsequent auf die wichtigsten Aufgaben fokussieren und sehr konzentriert abarbeiten.

Sechs Wochen vor Ort hat uns intensiv in die andere Welt eintauchen lassen. Der Abstand zum normalen Alltag war groß. Mir hat diese gelassene Form gut gefallen, da wir gefühlt alle Zeit der Welt hatten.

Workation-Essen und -Trinken

Wir lieben gutes Essen. Gut ist es für uns, wenn hochwertige Lebensmittel einfach und "ehrlich" zubereitet werden. Wir suchten nach Lokalen, in denen die Einheimischen essen und wurden immer positiv überrascht. Allerdings haben die meisten Touri-Lokale im Winter auch geschlossen.

Besonders hatten es uns die vollreifen Früchte und die Vielfalt des frischen Fischs angetan. Wir kosteten das Kontrastprogramm zum deutschen Winterspeiseplan rundum aus.

Die Schattenseiten unserer Workation

Wir hatten uns eine große Ferienwohnung gesucht. Zwei getrennte Arbeitsräume ermöglichten uns, dass wir uns bei Videocalls nicht gegenseitig stören. Auch hatten wir je einen Tisch und stabiles WLAN.

Allerdings arbeiten wir beide normalerweise mit zwei Monitoren und rückenfreundlichem Bürostuhl. Dieses Arbeitssetting lernten wir neu schätzen. Unsere Rücken sind nicht mehr die Jüngsten.

Die Wohnung war immer ein wenig zu kalt, trotz der Klimaanlage, die auch heizen konnte. Beim nächsten Mal helfen ein Paar Wollsocken oder warme Hausschuhe. Wir hatten nicht daran gedacht, dass wir diese brauchen würden.

In der letzten Woche erwischte uns trotz aller Vorsicht doch das blöde C-Virus. Krank sein ist immer doof, doch ich hätte gerne mein Bett und die kleinen Helferlein von zu Hause gehabt.

Die kaputte Heizung und ohnmächtig weit weg

Zur Halbzeit erreichte uns eine Nachricht von zu Hause, dass die Heizung defekt sei. Unsere Mieter saßen in einer kalten Wohnung. Die Heizung hatte schon im Frühjahr gezickt. Im Sommer hatten wir eine neue bestellt und es gab eine mit dem Heizungsbauer im Vorfeld besprochene Lösung.

Doch auch hier steckte der Teufel im Detail und es benötigte mehrere Anläufe, bis die Notheizung konstant wärmte. Meinen Mann kostete es Nerven, von weit weg, diese Herausforderung zwischen den Beteiligten zu koordinieren. Vielen Dank an unsere Nachbarn und Freunde, die einsprangen und vor Ort die Lage checkten.

Worüber wir sehr erschrocken sind:

Ausflug zum Stausee

Google Maps zeigt die Zulaufarme an und wir stehen auf einer Brücke, unter der die erste Seenplatte sein müsste. Doch was wir sehen, sind kleine Rinnsale und Wasserpfützen. Ein See ist weit und breit nicht zu erkennen.

Wir besichtigen am anderen Ende die Staumauer. Ja, da ist Wasser, doch auch für uns Laien erkennbar: viel zu wenig. Wir sind mitten im Herbst, es müsste schon einige Wochen mehr regnen. Rein statistisch hätte es in den 6 Wochen, die wir vor Ort waren, 12 Tage regnen müssen. Wir erlebten 2 Tage Regen.

Auch im Land ist es immer wieder sichtbar: große Felder mit Reben sind einfach verdorrt. In Flussbetten sind kein oder kaum Wasser...

Das eine ist der Wassermangel durch fehlenden Regen. Uns wurde sehr bewusst, wie abhängig wir als Menschen davon sind, dass die Natur "funktioniert".

Und beim Recherchieren zu dem Thema verstanden wir auch, dass politische Fehlentscheidungen und mangelnde Pflege der Infrastruktur das Problem verschärfen.

Was uns in der Seele wehtat

Bei unseren Ausflügen fiel uns in den verschiedenen Städten immer wieder auf, dass viele der alten Häuser einfach verfielen. Es waren einfache Häuschen darunter ebenso wie herrschaftliche Villen, die eine andere Zeit repräsentierten. Oft sind die Dächer eingestürzt und zwischen den Mauern machen sich Bäume und Sträucher breit.

Das wirkt fast idyllisch, wenn nicht auch große Mengen Müll liegen würden ... Dagegen hoben sich die liebevoll restaurierten Häuser wohltuend ab.

Soweit unser Resümee. Unsere Entscheidung für 2024 steht noch aus ... wir halten Dich in unserem Impulsletter auf dem Laufenden.

Denn natürlich werden wir erst wieder hinterher öffentlich schreiben, dass wir unterwegs waren.

 

Erstveröffentlichung am 20. April 2015, Überarbeitung am 12.03.2020 und am 14.05.2023