Auf Mädels, macht Musik!

“I did it my way” – Speakerin, mach es auf Deine Weise professionell.

Als ich von der Blogparade «Setz‘ Dich ins Licht» von Bettina Schöbitz und Katja Kerschgens hörte, war mein erster Impuls: “Da mach ich mit!” Als ich anfing intensiver nachzudenken dachte ich: “Irgendwie ist schon alles zum Thema Frauen, Männer, Kompetenz und den damit verbundenen Reaktionen gesagt!” Aber: Der Schritt in die Öffentlichkeit ist für Frauen anders schwierig als für Männer.

Es ist auf jeden Fall noch weniger selbstverständlich, dass Frauen sich öffentlich zu Wort melden. Und sicherlich gilt für diesen Bereich, wie für viele andere Bereiche in der Berufswelt auch: “Solange das Männliche die Norm ist, ist das Weibliche anormal.”

Wer sich zeigt, wird gesehen. Wer heraustritt aus der Masse, macht sich angreifbar. Ein paar Anmerkungen für die erste Reihe und die Bühne:

1. Rechne mit Widerspruch.

Die Menschen in der ersten Reihe oder auf der Bühne lösen bei Frauen und Männern oft Reaktionen aus, denen es an Respekt und konstruktiven Anteilen fehlt. Das ist geschlechtsunabhängig: Auch Helmut Kohl brauchte ein dickes Fell, wenn auch die Themen und die Art und Weise sich zu Angela Merkel schon auch unterscheiden.

Menschen, die eine eigene Position und die etwas zu sagen haben, müssen mit Widerspruch rechnen. Rechne mit undifferenzierten und ungerechten Rückmeldungen. Nicht alle Frauen und Männer sind Denk- und Kommunikationsprofis.

2. Akzeptiere: Es wird über Dich geredet. Und Du hast es nicht in der Hand.

Bei den meisten ist es so, dass das Gerede ungefähr 50 Jahre nach ihrem Tod aufhört. Es gibt ein paar rühmliche Ausnahmen. Aber nicht alle heißen Jesus 😉

Wenn Du Öffentlichkeit und Reichweite erreichen willst und mit einer sinnvollen Strategie an den Markt gehst, dann wundere Dich nicht, wenn es klappt und Du Erfolg hast. Es wird über Dich geredet und nicht alle sind Deiner Meinung. Einfache Formel: je mehr Reichweite umso mehr Gegenwind.

3. Mach Dich unabhängig von Lob.

Es wird immer Menschen geben, die das, was Du tust gut finden und welche, die es doof finden. Das ist eine Binsenweisheit. Trotzdem schlummert in uns allen der Wunsch, Anerkennung zu finden. Wenn Du Dich nach jeder Meinung richtest, wirst Du ein Fähnlein im Winde. Mein Rat: Suche Dir eine Handvoll Kritiker und Berater, deren Rückmeldungen Du in allen Facetten ernstnimmst. Ohne diese Resonanz rührst Du in Deinem eigenen Brei und entwickelst gedankliche Inzucht. Bei den anderen bedanke Dich freundlich für das Feedback – und gehe Deinen Weg.

Nimm Dich, Dein Fühlen und Denken ernst. Formuliere daraus Deine Botschaft, die Dir in Kopf und Herz wichtig ist für die Welt. Dann spreche sie laut aus, denn diese Welt braucht unbequeme Überzeugungen, um sich weiterzuentwickeln. Setze Maßstäbe, statt die der anderen zu erfüllen.

4. Kläre Deine öffentliche Rolle und schütze Deine Privatsphäre.

Hab klar, was Dein professioneller, was Dein persönlicher und was Dein privater Teil ist. Ja, meine Arbeit lebt von mir und meiner Persönlichkeit. Ich bin persönlich und herzlich und in Begegnungen wahrhaftig. Nein, nicht alle geht alles was an. Ich habe ein Privatleben und das gehört mir und meinen Lieben. Punkt.

Übrigens, ich kenne einige Männer, die machen diese Unterscheidung durch ihre Kleidung auch für sich selbst sehr klar: Den Businessanzug wechseln sie sehr bewusst mit anderer Kleidung, wenn das Private beginnt. Das ist für Frauen schwieriger, weil die “Kleiderordnung” weniger normiert ist. Jedoch kann eine solche eigene Regelung oder ein anderes Ritual zum eigenen Schutz hilfreich sein.

rtemagicc_flickr_micha_bob-dylan-und-band-am-3-5-07-jpg5. Bedenke: Speakerin und Speaker ist ein Business.

Warte nicht darauf, entdeckt zu werden, sondern entwickle eine professionelle Strategie. Denn manchmal muss man seine Kunden aktiv vor den Mitbewerbern schützen.

Wer nachhaltig damit Erfolg haben will, braucht neben einer inhaltlichen Expertise auch eine angemessene Methodenkompetenz und eine professionelle Marketingstrategie. „Mal eben nebenbei“ funktioniert auch in diesem Bereich nicht. Die Frage ist also, wer Dich in diesem Bereich berät, welche Ziele Du Dir setzt, wie diese nachverfolgt werden und wie das Marketing und der Vertrieb organisiert sind …

6. Achte auf Deine Gedanken!

Nein, es liegt nicht an Dir: Beachte, dass diese Welt noch mit unterschiedlichen Maßstäben misst in Bezug auf Männer und ‹Randgruppen› wie Frauen, Migranten, Behinderte. Ja, immer noch ist der weiße BWL- oder Ingenieurs-Mann die Norm. Und somit genügen alle anderen nicht. Das ist eine Frage an gesellschaftliche Strukturen und Werte.

Du hast alles, um Wertvolles in der Öffentlichkeit zu sagen. Du genügst, so wie Du bist. Schau genau hin, denn es gibt unterstützende, wertschätzende und großherzige Kolleginnen und Kollegen. Und es gibt ignorante Blödmänner und keifende Zickenfrauen.

Nein, vergleiche Dich nicht mit anderen, sonst erlebst Du Dich defizitär. Das nagt am Selbstbewusstsein. Schau, wie andere das machen, hol Dir Impulse und Ideen. Schärfe Dein Profil – auch dadurch, dass Dir klar wird, wie Du es nicht machst.

Und dann setze Dich in die erste Reihe, erobere die Bühne, denn Du hast Deine Botschaft, die wichtig ist für die Welt. Mach‘ es auf Deine Weise – I did it my way.

Herzliche Grüße aus dem Technologiezentrum W-tec in Wuppertal
Ihre Lioba Heinzler

• Supervisorin DGSv
• Coach für Veränderungsprozesse

(Bildquelle: «Bob Dylan und Band am 3.5.07» by Micha via flickr, CC BY-SA 2.0 | no changes – keine Änderungen)