Fünf Monate fast ohne mich

Fünf Monate fast ohne mich

Warum ich anfing, mich überflüssig zu machen – und warum genau das mein Unternehmen getragen hat, als ich am wenigsten da sein konnte.

Es gab in den vergangenen anderthalb Jahren einen Zeitraum von fünf Monaten, in dem ich kaum in meinem eigenen Unternehmen war. Nicht, weil ich Urlaub gemacht hätte. Sondern weil mein Leben mich woanders brauchte, vollständig.

Inhaltsverzeichnis

  1. Als mein Leben mich woanders brauchte
  2. Die Prüfung: Was passiert, wenn die Chefin verschwindet?
  3. Kein Glück, sondern gestaltet
  4. Ersetzbarkeit ist keine Schwäche, sondern eine Superkraft
  5. Und wo stehst Du?

Als mein Leben mich woanders brauchte

Ein ganzes Jahr lang haben mein Mann und ich ein Geheimnis mit uns herumgetragen: Wir verlagern unseren Lebensmittelpunkt um knapp 400 Kilometer in den Süden. Wir haben viiiiele Objekte angesehen, unser Haus verkauft, insgesamt drei Immobilien die Besitzer:innen wechseln lassen und ein neues Zuhause gefunden – ausgerechnet in Malsch, meinem Geburtsort, was so gar nicht geplant war.

Mein Mann bringt den Mut auf, mit mir dieses Wagnis einzugehen – samt der Aufgabe, die Sprache der badischen Aborigines zu lernen. Und meine betagten Eltern brauchen immer mehr Unterstützung; die Frage, wie es gut für sie weitergeht, wurde in dieser Zeit zu meiner. Das ist kein Randthema, das man abends nebenbei erledigt. Das ist ein Leben, das sich in Kisten, Notarterminen, Behörden und Verantwortung neu sortiert.

Ich dachte, bis Weihnachten – vier Monate nach dem Umzug – wäre der ganze Verwaltungskram erledigt. Bis heute ist die Liste offener To-dos lang. Wir hatten den Aufwand völlig unterschätzt. Wir sind nun im Juni 2026.

Die Prüfung: Was passiert, wenn die Chefin verschwindet?

Wer selbstständig ist, kennt den Reflex, der in so einer Phase kommt: Das Business darf jetzt bloß nicht auch noch kippen. Also arbeitet man nachts nach. Man ist erreichbar, obwohl man erschöpft ist. Man hält alles selbst zusammen, weil man glaubt, dass es sonst zusammenfällt.

Ich habe es anders gemacht. Nicht, weil ich so tapfer war, sondern weil ich keine Wahl hatte. Ich konnte nicht gleichzeitig meine Eltern begleiten, einen Umzug über 400 Kilometer stemmen, das alte Haus übergeben – und weiter die Einzige sein, an der in meinem Unternehmen alles hängt. Etwas musste tragen, ohne mich.

Damit stand ich plötzlich selbst vor der Prüfung, die ich seit über zwanzig Jahren mit meinen Kundinnen durchgehe: Was passiert mit einem Unternehmen, wenn die Chefin verschwindet? Nicht für zwei Wochen Urlaub. Für Monate.
Es lief weiter.

Nicht perfekt, nicht ohne Reibung. Aber es lief. Mein Team traf Entscheidungen, ohne auf mein Ja zu warten. Prozesse griffen, die wir vorher gebaut hatten. Aufgaben liefen über Menschen und Strukturen, nicht mehr nur über meinen Kopf.

Kein Glück, sondern gestaltet

Es ist wie mit unserem neuen Zuhause. Wir wohnen heute traumhaft: tagsüber großzügig, mit einer Küche, die keine Wünsche offenlässt, und zwei Homeoffice-Büros. Am Feierabend fast täglich der Blick auf ein Abendrot mit dem Sonnenuntergang hinter den Vogesen. Die häufigste Reaktion darauf ist: Da habt ihr aber Glück gehabt. Und ja, es war Glück dabei, dass genau dieses Haus zu genau diesem Zeitpunkt frei war. Aber die fast zwanzig Besichtigungen davor hatten unseren Blick so geschärft, dass wir in dem einen Moment sofort wussten: Das passt.

Genauso ist es mit einem Unternehmen. Ich habe einmal in einem Neujahrsgruß geschrieben: Es gibt im Leben Dinge, die ich nicht in der Hand habe – das fällt unter Glück, Pech, Schicksal. Und es gibt eine Menge, das ich gestalten kann. Dass mein Unternehmen diese fünf Monate getragen hat, fiel nicht unter Glück. Es fiel unter das, was ich Jahre vorher gestaltet hatte: mich in meinem eigenen Unternehmen ersetzbar zu machen.

Ein Unternehmen baut man nicht anders als ein Traumhaus – mit Plan, Struktur und richtig guten Materialien. Nur dass beim Unternehmen der wichtigste Baustein ist, dass es ohne Dich steht.

Und als ich im Sommer 2026 dachte, jetzt ist es geschafft …

... wurde meine 87‑jährige Mutter täglich hinfälliger. Die täglichen Anrufe meines Vaters, der sich mit 88 Jahren um meine demente Mutter kümmert, kosteten schon seit Monaten Zeit und vor allem viel Energie. Doch ihre fortschreitende Erkrankung und körperliche Verfassung machten meine Arbeitstage immer weniger planbar. Ja, wir hatten unterschiedliche professionelle Hilfe, doch das reichte immer weniger. Die emotionale und mentale Belastung dieser Erkrankung war mir davor nicht bewusst...

Ersetzbarkeit ist keine Schwäche, sondern eine Superkraft

Zwanzig Jahre lang habe ich Unternehmerinnen erklärt, warum Ersetzbarkeit keine Schwäche ist, sondern eine Superkraft. Ich habe daran geglaubt. Ich konnte es gut erklären. Aber es gibt einen Unterschied zwischen etwas glauben und es am eigenen Leib bewiesen bekommen.

Jetzt weiß ich es nicht mehr nur aus den Betrieben, die ich begleite. Ich weiß es aus meinem eigenen. Ein Unternehmen, das nur läuft, wenn Du jeden Tag da bist, ist keine Sicherheit – auch wenn es sich so anfühlt. Es ist ein Risiko, das nur so lange gutgeht, bis das Leben Dich woanders braucht. Und das Leben wird Dich irgendwann woanders brauchen.

Du brauchst dafür keine Krise.

Aber die meisten von uns finden erst dann heraus, ob ihr Unternehmen ohne sie trägt, wenn sie gezwungen sind, zu verschwinden. Ich hätte es Dir gegönnt, es vorher zu wissen. Genau deshalb habe ich in den letzten Monaten mit meinem Team nochmals alles auf den Prüfstand gestellt: was können wir noch mehr vereinfachen und unabhängiger von mir gestalten?

Im Hintergrund habe ich mit meinem Team alles zusammengetragen, was eine Unternehmerin braucht, damit ihr Betrieb auch in herausfordernden Zeiten fast ohne sie funktioniert.

Und wo stehst Du?

Der erste Schritt ist eine ehrliche Frage. Ich habe sie in ein kurzes Dossier gepackt: Besitzt Du Dein Unternehmen – oder besitzt es Dich? Ein Gedanke pro Tag. Am Ende weißt Du, ob Dein Business ein Asset ist, das Dich trägt – oder ein Job, der Dich braucht.
Zum Dossier: liobaheinzler.de/dossier

Brave Mädchen warten auf den Prinzen. Kluge Frauen satteln selbst das Pferd. Und kluge Unternehmerinnen bauen ein Unternehmen, das auch dann steht, wenn sie selbst gerade nicht können.

Deine Lioba

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Wer hier schreibt

Lioba Heinzler — Architektin für unternehmerische Entwicklung. Seit über 20 Jahren begleite ich Unternehmerinnen dabei, ein Unternehmen zu bauen, das ihnen gehört, statt sie zu besitzen.

→ Mehr über mich: liobaheinzler.de/ueber-mich/

Das Eigentümerinnen-Dossier · kostenfrei

Sechs Teile darüber, warum ein gut laufendes Business trotzdem kein Vermögenswert ist. Und warum Ersetzbarkeit Deine Superkraft ist. Sofort im Postfach, danach ein Gedanke pro Tag. Fünf Minuten Lesen, das Tempo bestimmst Du.

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Dann kommt ein Dienstag.

An diesem Dienstag triffst Du in einer wichtigen Sache eine Entscheidung – und merkst, dass drei Leute im Raum erst kurz zu der Stelle schauen, an der früher der Schreibtisch Deines Vaters stand. Oder Dein langjähriger Werkstattleiter nickt Dich freundlich ab und geht dann trotzdem zu Deinem Mann, weil der ja „vom Fach“ ist. Oder Du sitzt abends am Küchentisch und weißt für einen Moment nicht mehr, ob Du gerade Tochter, Chefin oder Ehefrau bist – und niemand sagt Dir, welcher Hut jetzt gilt.

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